MAGLIC-KARTA 2005




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PREDGOVOR

Maßstäblicher Ortsplan von MAGLIC, entsprechend dem Stand seit 1950 mit den neuen Maglićer Straßenbezeichnungen und den inzwischen erfolgten Ortserweiterungen.

Anmerkungen zur Architektur der Ortsplanung

Aufgebaut wurde der ursprüngliche Ort BULKES ab der Ansiedlung 1786 als streng geordnetes Ingenieurdorf nach den Plänen des österreichischen Kameral- Ansiedlungsbauamtes unter der Leitung des Kameral- Ingenieurs und Baudirektors Kiš.
Nach seinen Weisungen hat der "Operierende Vermessungs-Ingenieur Denk" 4 parallele 25 m breite Straßen angelegt und diese nach jeder 6. bzw. 7. Hofstelle durch rechtwinklig verlaufende Quergassen (=Kreuzgassen) untereinander verbunden. Jede Hofstelle hatte die einheitliche Grundstücksgröße von ca. 23/95m = 2185qm. Die so entstandenen Quadrate waren rechts und links der großen Quergasse 190/161m und die daran anschließenden 190/138m groß.
In Bulkes sollten eigentlich 230 Häuser für 230 Kolonisten-Familien gebaut werden. Bis zur Landeskonskription 1828 (=Erfassung der Steuerzahler/Volkszählung/Census) waren aber tatsächlich nur 215 erstellt worden. Danach folgten die Ortserweiterungen Neudorf I, Neudorf II und die Glissa (s. oben "Erklärung einiger Begriffe").
Die mittlere Straße (=Hauptgasse) und die mittlere Quergasse/Kreuzgasse (=Pappel-Alle) wurden je 40m breit zu einem Achsenkreuz und Rückrat des Dorfes ausgebildet. An der Schnittstelle dieser beiden Achsen befand sich der Dorfmittelpunkt mit der Kirche, dem Haus des Pfarrers , der Schule und dem "Herrschafts-Wertshaus" (=Wirtshaus für die Herrschaften, die den Ort besuchten oder durchreisten). Auf dem so gebildeten 40/40m = 1600qm großen Platz wurde alljährlich am letzten Oktobersonntag die "Kerweih" (=Kirchweih) abgehalten. Dazu war der gesamte Platz mit einigen Karussells, Schießbuden und Verkaufsständen voll gestellt.
Die großen Vorbilder dieses geometrischen Ortsplanungs-Systems, wie es in Bulkes und anderen Orten der Batschka im 18. Jh. ausgeführt wurde, reichen zurück über fast zeitgleiche barocke Stadtgründungen (z.B. Gesamtplan für den Wiederaufbau Mannheims ab 1698) in die römische und griechische Antike und darüber hinaus bis in die Ur- und Frühgeschichte.
Was bei T. Miller über Tscherwenka (1785) steht, gilt sinngemäß auch für Bulkes: "...ist der klarste und vollkommendste Typ des straff geformten Ingenieur- und Schachbrettdorfes."

Nachdem 1949 in Bulkes das Experiment GRIECHISCHE REPUBLIK in Jugoslawien nach 4 Jahren ein gewaltsames Ende fand, wurde mit dem Zuzug serbischer Bewohner aus den südlichen bis südwestlichen Provinzen des ehemaligen Jugoslawien die noch erhalten gebliebene ästhetische Homogenität der eingeschossigen quadratischen Schachbrettform mit seiner alles überragenden Pappel-Allee in der Nord-Süd-Achse (Bellebeem) und den schnurgerade vor den Hausfronten aufgereihten Baumreihen (meist Maulbeerbäume) aufgegeben, d.h. sie wurden gefällt und verfeuert. Bestehende Straßen sind nach pragmatischen Gesichtspunkten einfach verlängert worden, um neue Baugrundstücke zu erschließen. Die Straßenräume wurden durch das freiwachsende üppige Grün (jetzt überwiegend Kieferngehölz) wald- und parkartig zugedeckt. Neben den originalen Langhäusern mit 45-Grad-Dächern entstanden kurze rechteckige bis quadratische Einfamilienhäuser mit flach geneigten Dächern in zweigeschossiger Bauweise, wie sie in jeder Stadtrandsiedlung der Nachkriegszeit auch in Deutschland gebaut worden sind.
Somit verliert das ursprüngliche deutsche BULKES mit seiner neuen Bevölkerung und dem Aufbau einer neuzeitlichen technischen Infrastruktur (Betonstraßen, Strom-, Wasser-, Gasversorgung und Hausentwässerung) mit jedem neuen Jahr mehr und mehr seine ursprüngliche Identität und wird für alle, die das Vorkriegsbulkes noch erlebten, bis zur Unkenntlichkeit verfremdet.
Aber der Trend hin zur "Verstädterung des Landes" ist allgemein im Nachkriegseuropa über Ländergrenzen hinweg durch den technischen Fortschritt und die wirtschaftliche Prosperität zur Realität geworden.
Die Ortsverwaltung hat sich viel Mühe gegen, das optische Erscheinungsbild mit Grünbepflanzung und Blumenschmuck (auf dem Kirchplatz ist ein großes kreisrundes Blumenbeet angelegt) schön zu gestalten. Daraufhin wurde Maglic der erste Preis in einem Wettbewerb über das attraktivste Dorf der Wojwodina zuerkannt.

Was jetzt noch folgen müßte, aber aussichtslos ist angesichts der völlig desolaten privaten und öffentlichen Finanzen, wäre eine Generalsanierung nach den Prinzipien des Denkmalschutzes der noch vorhandenen bis zu 200 Jahre alten Bausubstanz. Dazu gehört neben einigen noch erhaltenswürdigen Wohnhäusern vor allem die im prawoslawischen Besitz befindliche Kirche und die Erstellung eines Gedenkstein zur Erinnerung an die Ansiedlung von Bulkes 1786 auf dem Friedhof oder einer anderen prägnanten Stelle (im Kirchen-Innenraum?).

Bilder des Dorfmittelpunktes in Bulkes aus der Zeit vor 1936

Spiel und Tanz auf dem zentralen Dorfplatz vor der Kirche, im Schnittpunkt der Hauptgasse und der mittleren Quergasse/Kreuzgasse, mit Blick nach Süden in die Pappelallee.



Blick aus dem Kirchturm in die Hauptgasse nach Osten Richtung Peterwatz, links unten das Pfarrhaus, unterhalb des Horizonts am Bildrand oben Mitte bis an den rechten Rand leuchtet hell das Hanfwasser des Zwerchteichs.




Die Hauptgasse vom Kirchturm gesehen Richtung Westen nach Silbasch zu. Unten rechts das Schulgebäude mit 2 Lehrerwohnungen (Fam. SPANNAGEL und KENDL), daran anschließend folgen die Häuser der Familien: WOHLHÜTER, Konrad (letzter Richter/Ortsvorsteher in Bulkes); HOFFMANN, Peter; BAUER, Johan ( "BALWEERE" und Betrieb der Milchzentrale der landwirtschaftlichen Genossenschaft); Familie WAGNER und an der Ecke zur nächsten Kreuzgasse: Familie JUNG, Peter.
Am linken Bildrand ist noch ein Teil des Wohnhauses mit Verkaufsraum der Familie GRUBY zu sehen, dann folgen die Häuser der Familien KATERLE, Heinrich (Büro der landwirtschaftlichen Genossenschaft und Kino im Hofgebäude); BINDER Fritz (ausgewandert nach New Jersey USA); BRUNNER Karl (Lehrer) und an der Ecke zur Kreuzgasse: Familie KLEIN, Johann ("Katers").
(Heinrich Stephan)