BATSCHKA


VORBEMERKUNG

Die Batschka, in Urkunden auch Batschau genannt, gehörte noch bis 1918 zu Österreich-Ungarn und ist seither - mit einer kurzen Unterbrechung während des 2. Weltkrieges von 1941 bis 1945 - als Woiwodina eine Teilrepublik Serbiens.
In der hier abgebildeten Landkarte sind neben größeren Orten und Städten folgende unter Kaiser Franz Joseph II. angesiedelten 9 protestantischen Orte in alphabetischer Reihenfolge mit dem Jahr der Ansiedlung verzeichnet:
Bulkes 1786, Jarek 1787, Kischker 1786, Neuwerbaß 1785, Schowe 1786, Sekitsch 1786, Siwatz 1786, Tscherwenka 1785 und Torschau 1784.
Quelle: Georg Wild "DIE DEUTSCHE EVANGELISCHE KIRCHE IN JUGOSLAWIEN 1918-1941".



Die Batschka
ungarisch Bácska, serbisch Bačka

(Heinrich HOFFMANN)

liegt in der panonischen Tiefebene. Ihre West- und Südgrenze bildet die Donau. Die Ostgrenze die Theiß. Die aus politischen Gründen zahlreichen Verschiebungen unterlegene Nordgrenze entspricht ursprünglich dem Verlauf des seit dem Mittelalter unter madjarischer Herrschaft bestandenen Komitates (Verwaltungsbezirk/Grafschaft) Bács-Bodrog. Diese Grenze verläuft von Baja a. d. Donau nordöstlich bis Jánoshalma, um bei Martonoš die Theiß zu erreichen. Ihren Namen erhielt die Batschka nach dem Komitat Bács und Bodrog.
Nach der Niederlage der Österreich-Ungarischen Monarchie im Ersten Weltkriege, Ungarn verlor 2/3 seines Staatsgebietes, wurde die Batschka geteilt. Der größte Teil mit 8 776 km2 fiel an den neu gegründeten Staatenbund der Serben, Kroaten und Slowenen. 1929 wurde das Königreich Jugoslawien ausgerufen. Der Nordwesten mit 1 685 km2 verblieb bei Ungarn. Abgesehen von der kurzen Besetzung der Batschka durch Ungarn von 1941 bis 1944, wurde dieser Grenzverlauf bis zur Gegenwart beibehalten. Als 895 die Madjaren über die Karpaten in die pannonische Tiefebene eindrangen, unterwarfen sie die in der Batschka ohne Staatsgebilde lebenden Awaren- und bulgaro-slawischen Volksstämme.
Im Mittelalter siedelte ein Völkergemisch von Kumanen, Serben, Ungarn und anderen Nationen in der Batschka. Die Ausdehnung der ungarischen Großgrundbesitzer im späten Mittelalter hat großen Anteil an der landwirtschaftlichen Erschließung des Landes. Die Zahl von 28 Städten und 529 Dörfer weisen auf eine für damalige Zeit beachtliche Siedlungsdichte hin.
Der Bauernaufstand gegen die Grundherren 1524 endete mit der Niederlage der Bauern. Von den 200 Dörfern im Komitat Bodrog vor dem Krieg wurden 120 zerstört. Der mit brutaler Rohheit geführte Krieg, die überlebenden Bauernkrieger wurden mit ihren Familienangehörigen exekutiert, führte zur weitgehenden Entvölkerung des Landes.

Die Türkenherrschaft

Als am Ende des 15. Jahrhunderts die türkische Bedrohung zunahm, verließen der kleine ungarische Adel und mit ihm die ungarischen Bauern die Batschka. In den jetzt dünn besiedelten Dörfern blieben nur die Serben zurück. Die Besetzung der Batschka durch die Türken begann mit der Niederlage des ungarischen Heeres 1526 bei Mohacs gegen die Türken. Haben sie anfänglich nur Korridore zum Durchzug ihres Heeres besetzt, so wurde die Batschka von den Türken 1542 flächendeckend besetzt. Der Nachfolger des nach der Niederlage bei Mohacs auf der Flucht gestorbenen ungarischen Königs erteilte 12 000 königstreuen Serben die Erlaubnis, sich in der Nordbatschka auf den Gütern der vormals ungarischen Grundherren anzusiedeln und diese in Besitz zu nehmen. Weitere serbische Zuwanderungen ersetzten die das Land verlassenden Ungarn, Um 1540 wurde die Batschka fast ausschließlich von Serben bewohnt. Die Serben, als "Ungläubige" unter dem Joch der Türken zu Frondiensten und Zwangsarbeiten verpflichtet und mit hohen Steuern belastet, verließen um 1598 durch Flucht in die von den Türken freien Gebiete das Land. Die über 15 Jahre andauernden türkischen Befreiungskriege, von der Schlacht am Kahlenberg bei Wien 1683 bis zum Frieden von Karlowitz 1699 in dem Ungarn und die Batschka an Österreich fielen, hinterließen ein verwüstetes und menschenleeres Land. Man bedenke, die türkischen Heerscharen ernährten und versorgten sich aus dem Land. Plünderungen, Brandschatzungen und Morde waren alltäglich. Der Wintereinbruch unterbrach jeweils bis zum Frühjahr die Weiterführung der Feldzüge. Am Ende des 17. Jahrhunderts war durch Vernichtung und Vertreibung die Landbevölkerung auf den Dörfern verschwunden. Im Jahre 1715 betrug die entlang der Flüsse lebende Gesamtbevölkerung der Batschka geschätzte 30 000 Einwohner.

Der Neubeginn im Habsburger Kaiserreich

Nach den Befreiungskriegen gegen die Türken konnten nur wenige ungarische Grundherren ihren früheren Grundbesitz zurückgewinnen. Der größte Teil fiel als sogenanntes Kameralland (in Staatsbesitz befindliches Land) an die der Wiener Hofkammer unterstellten ungarischen Hofkammer (heute Finanzministerium) in Preßburg. Die von privatrechtlichen und staatlichen Stellen einsetzenden Bestrebungen die Batschka wieder zu besiedeln wurde 1697der Hofkammer in Preßburg übertragen. Aus West- und Nordungarn wurden ungarische Staatsbürger in der Nordbatschka, Serben um Novi Sad in der Südbatschka angesiedelt. Ausländer wurden anfangs nur angesiedelt, wenn die eigene Bevölkerung den Anforderungen nicht gerecht wurde. Der im Landtag von Preßburg 1722 vom ungarischen Adel durchgesetzte Gesetzesartikel 103 zur Ansiedlung freier Bürger in der Batschka wurde die Grundlage der Besiedlung mit Kolonisten aus Deutschland, Frankreich, Böhmen, Italien und Spanien. Als erstes deutsches Dorf wurde Csatalja 1729 gegründet. Die ungarischen Siedler beschäftigten sich bevorzugt mit dem Fischfang auf der Donau statt mit der Landwirtschaft, sodass der erwünschte landwirtschaftliche Ertrag ausblieb. Daraufhin beauftragte die Kaiserin Maria Theresia den Graf Grassalkovic deutsche Bauern ins Land zu holen. Seine erste deutsche Neuansiedlung war 1749 Bukin. Im Jahr 1750 wurde Apatin als wichtiger Stützpunkt für die auf der Donau ankommenden Siedler gegründet. Von den 1748 - 1762 angesiedelten 5000 Familien waren 2500 ungarische, 1430 serbische und 1070 deutsche Familien. Die in deutschen Landen angeworbenen Siedler mussten ein Mindestvermögen von 500,- Gulden nachweisen, verheiratet und katholischen Glaubens sein. Evangelische Einwanderer mussten nach Siebenbürgen ziehen oder zum katholischen Glauben übertreten. Im Gegensatz zu den von Grundherren auf deren Ländereien zur gleichen Zeit als Leibeigene angeworbenen Siedler waren die Siedler auf den Kameralländern königlich-kaiserliche Untertanen. In der theresianischen Siedlungsperiode von 1763 bis 1771 wurden 2500 deutsche Familien in der Batschka angesiedelt. Nach Kaiserin Maria Theresias Tod nahm 1784 ihr Sohn und Nachfolger die 1771 eingestellte deutsche Kolonisation, die Ungarische und Serbische wurde in dieser Zeit weitergeführt, wieder auf. Jetzt genügten dem Kolonisten 200,- Gulden zu besitzen, verheiratet und Bauer zu sein. Mit dem gleichzeitigen Wegfall der konfessionellen Bedingung wurden rein protestantische Dörfer im Inneren der Batschka angesiedelt. Evangelische durften jetzt öffentliche Ämter begleiten. In Mischehen mussten die Söhne dem Glaubensbekenntnis des Vaters folgen. Nach der Einstellung der staatlich gelenkten Kolonisation 1787 betrug die Gesamtbevölkerung der Batschka 180 000 Einwohner.
Deutsche Ansiedler brachten den Kartoffel- und Weizenanbau in die Batschka und lösten den Mais als Grundnahrungsmittel der Bevölkerung ab. Besonders in der Mittelbatschka kam es in regenreichen Jahren zu hohen Grundwasserständen. Siedlungen und Ackerland wurden überschwemmt. Ungesundes Trinkwasser führte zu Darmerkrankungen. Seuchen brachen aus. Der Tod hielt unter den Siedler reiche Ernte. Das Trockenlegen der Sümpfe, das Anpflanzen von Obstbäumen zur Branntweingewinnung und der Wein als Ersatz für das verseuchte Trinkwasser, linderten die Gottesgeißel. Mit dem Bau des 20 Km langen und 1 m breiten Abzugsgraben von Sivac bis Vrbas 1786 konnte der Grundwasserspiegel gesenkt und die Überschwemmungshäufigkeit verringert werden.
Neuen von badischen Ansiedler mitgebrachten Hanfsamen gaben 1756, dem in der Türkenzeit bereits bekannten Hanfanbau neuen Aufschwung. Im Jahre 1813 erhielt Odzaci, als Zentrum des Hanfanbaus, das Jahrmarktrecht für Hanf in der Batschka. Die erste Hanffabrik Ungarns wurde 1866 ebenfalls in Odzaci errichtet.
Gegenüber 0,5% im Jahre 1715 waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts knapp 30% der Gesamtfläche der Batschka Ackerland.
In der Ansiedlungszeit wurde die Anzahl der Handwerker zugunsten der Bauern auf das Notwendigste beschränkt. Auch sie erhielten zur Selbstversorgung kleine Feldanteile. Das in Ungarn gültige Erbrecht, nur der Älteste in der Familie erbte Grund, Haus und Hof, ließen die übrigen Geschwister ein Handwerk erlernen.
Apatin, an der Donau als einzigem Verkehrsweg gelegen, war wichtigster Umschlagplatz für gewerbliche Güter. Mit der Gründung der Tuchfabrik 1764 in Odzaci wurde der große Bedarf an Tuch aus Hanf, den Kleidungsstücken der Kolonisten, gedeckt. Schafwolle, Flachs und Naturseide waren weitere verarbeitete Rohstoffe. Um 1770 musste die Tuchfabrik in Apatin aus Mangel an Maschinen und Rohstoffen sowie aus Zwängen Wiener Politiker schließen.
1792 und 1802 wurden die bisherigen Ableitungsgräben zu schiffbaren Kanälen ausgebaut und die Verkehrsverbindung zwischen der Donau und der Theiß hergestellt. Der Landweg beschränkte sich zu dieser Zeit auf eine Unbefestigte bei Regenfällen Morastige von Pec, heute Ungarn, nach Zemun führende Hauptpostrasse Nr 5. Die einzige Brücke über die Donau war in Novi Sad.
Im Jahre 1820 betrug die Einwohnerzahl der Batschka 397 914. Davon waren 43% Slawen (Serben, Slowaken, Ruthenen, Walachen, Schokatzen), 36,2% Ungarn, 22,9% Deutsche und 1,1% Juden.
Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war für die Batschka eine Epoche ungestörter Entwicklung. Der Kaiser wachte über Recht und Ordnung. Gestützt auf den Völker verbindenden Glauben des Christentums gab es im Kaiserreich keine Minderheiten. Geschürt vom ungarischen Adel führte der zu Beginn des 19. Jahrhunderts einsetzende ungarische Nationalismus 1848 zur ungarischen Revolution. Die an der Niederschlagung des Aufstandes aufseiten der Habsburger kämpfenden Serben, erhielten 1849 das neu gegründete Fürstentum "Woiwodschaft Serbien und Temescher Banat" dem auch die Batschka angehörte. 1861 wurde das Gebiet erneut unter ungarische Verwaltung gestellt.

Ungarisches Nationalstreben

Nach der Gründung der österreichisch - ungarischen Doppelmonarchie1867, dem sogenannten Ausgleich, erhielt Ungarn mehr Selbstständigkeit. Die Nationalismusbestrebungen Ungarns lebten wieder auf. Der mehr als die Hälfte der ungarischen Gesamtbevölkerung anderssprachliche Bevölkerungsanteil soll zur ungarischen Nationalität bekehrt werden. Den militanten Assimilierungsmaßnahmen sahen sich in den Städten gesellschaftlich aufstrebende Schichten anderer Nationalitäten sowie deren in staatlichen Diensten stehenden Mitbürger besonders ausgesetzt. Die Umnationalisierung sah vor, einen ungarischen Namen anzunehmen, die national überlieferte Lebensweise und die Muttersprache zugunsten der Ungarischen aufzugeben. In Bedrängnis die nationalen Identitäten wahren zu wollen, erwachte bei den Minderheiten das Volksbewusstsein. Die Einführung der ungarischen Sprache in Verwaltung und im Schulwesen rief den erbitterten Widerstand der zu nationalem Selbstbewusstsein neigenden Serben. Die ersten politischen Gruppierungen bildeten sich.

Die stürmische Entwicklung der Landwirtschaft

Mit steigendem Wohlstand wichen die uniformierten Kolonistenhäuser vielfältigen Haus- und Hofformen. Geänderte Erbsitten nach der ungarischen Revolution, sowie eine in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in großem Umfang durchgeführten Flurbereinigung, an die Stelle der Schmalstreifenfluren traten Großblockfluren, führten zur Veränderung des bisherigen Flurbildes.
Um rationeller die zusammengelegten Fluren von mittlerem und größerem Besitz bewirtschaften zu können, wurden außerhalb der Ortschaften Einzelgehöften, Sallasche genannt, errichtet.
Der Sallasch war ein auf der Feldflur errichtetes landwirtschaftliches Wirtschafts- und Wohngebäude mit Stallungen zur Viehhaltung. Der Sallasch wurde vom Sallaschknecht und seiner Familie ständig bewohnt. Der Besitzer zog nur zeitweise im Sommer während der Erntezeit auf den Sallasch. Auffälliges Merkmal des Sallasch's war der von den Slawen übernommene Tschardag, der Maistrockner. Dem Austreten des Getreides setzte die erste Dreschmaschine 1864 ein Ende. Der Holzpflug mit der Eisenschar wurde 1895 von dem Eisenpflug abgelöst. Die aus Holz bestehende Egge bekam im gleichen Jahr eiserne Zähne. Die Aussaat erfolgte bis zur Einführung der Sämaschine in den 70er Jahren von Hand. Hauptanbauprodukt mit 45% war der Weizen gefolgt vom Mais mit 30%. In den Hauptanbaugebieten von Hanf nahm dieser 20 - 25% von der gesamten Ackerbaufläche in Anspruch. In den Jahren 1797 und 1801 wurde ein großer Teil des Kamerallandes an private Grundherren verkauft. Großgrundbesitzer, deren Anwesen Puszta genannt wurden, waren in der Batschka die Familien Cotek, Falcione, Szemsö, Kelbach, Fernbach, Gerber um nur einige zu nennen.

Die industrielle Entwicklung im Schatten der Landwirtschaft

Die industrielle Entwicklung der Batschka, einem Land in dem 2/3 der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig sind, kam nur langsam voran. Novi Sad, das Zentrum der Batschka am linken Donauufer gelegen, hatte 1845 eine Tabak- eine Seiden-und eine Spirituosenfabrik. 1892 arbeiteten in der Seidenfabrik 500 Arbeiterinnen. In dieser Zeit gab es in Novi Sad vier weitere Betriebe mit jeweils 20 bis 80 Beschäftigten. In Vrbas und Crvenka gab es je eine Zuckerfabrik, in Odzaci eine Hanf- und eine Textilfabrik und 26 Ziegeleien. Zahlreiche Mühlen verteilten sich auf das Land. Mit der Gründung der "Novi Sader Sparkasse" 1864 entwickelte sich Novi Sad zum Zentrum für das Kreditwesen. 1910 gab es in Novi Sad zwei Banken, drei Sparkassen und acht Kreditgenossenschaften.

Das Gewerbe

Das Gewerbe orientierte sich an dem Bedarf der Landwirtschaft. Von allen ungarischen Komitaten (Verwaltungsbezirken) gab es in der Batschka die größte Anzahl selbstständiger Weber und ungewöhnlich viele Seilereien. Weit verbreitet waren in der Batschka Dampfmühlen.
Das Handwerk fand bevorzugt in den Städten seine Zukunft. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes Ende des 19. Jahrhunderts gab vielen Bauhandwerker Arbeit und Brot. Die Eisenbahnverbindungen ermöglichten es nun den Bauhandwerkern Arbeit auf entfernten Arbeitsplätzen in den Städten, zu finden. Das Abdrängen der zweit- und nachgeborenen Söhne in das Handwerk ließ auf dem Lande deren Bestand über den Bedarf ansteigen. Viele Handwerker waren daher als Tagelöhner auf den Zuerwerb aus der Landwirtschaft angewiesen.

Der Handel

Die auf Selbstversorgung ausgerichtete Wirtschaftsweise und fehlende Verkehrswege ließen einen regen Handel nicht aufkommen. Der Binnenhandel wurde um 1850 hauptsächlich auf den Jahrmärkten abgewickelt. Das Eisenbahnzeitalter setzte 1869 in der Batschka mit der Eröffnung der Teilstrecke Subotica - Sombor ein. Neue Impulse erhielt der Handel mit der 1883 in Betrieb genommenen Hauptstrecke Budapest - Subotica - Novi Sad - Zemun. Spezialisierte Händler kauften auf dem Lande landwirtschaftliche Produkte und führten sie über die Zentren Apatin und Zmajevo (Torschau) für Getreide und Odzaci und Novi Sad für Hanf, dem Export zu. Der Zahlungsverkehr im innerörtlichen Handel auf dem Lande wurde bis zum Ersten Weltkrieg im Tauschverfahren abgewickelt. Die Bauern bezahlten ihre erhandelten Waren überwiegend mit Speck, Schmalz, Seife, Eier, Mehl, Honig usw. Die Entlohnung der Tagelöhner, Knechte und Mägde erfolgte ebenfalls in Naturalien. Selbst der "Balweerer" (Rasierer), der im Dorf zweimal in der Woche seinen Kunden zum Rasieren in dessen Haus aufsuchte, wurde bis 1945 überwiegend mit Naturalien bezahlt.
Mitte des 19. Jahrhunderts war die Hälfte der Fläche der Batschka Ackerland. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es drei Viertel. Das Grasland, 1825 noch 30%, ging bis 1913 auf 7% zurück. Die Umgestaltung der Batschka von einer Gras- und Steppenlandschaft in ein Agrarland war in dem zu Ende gehenden 19. Jahrhundert erreicht.
In diesem österreichisch-ungarischen Zeitabschnitt erhielt die Batschka ihre Prägung als Ackerbaulandschaft mitteleuropäischen Charakters und wurde zur Kornkammer Europas.

"Aus einer Wüste ward ein blühend Eden,
aus Sümpfen hob sich eine neue Welt."

Adam Müller Guttenbrunn

Im Jahre 1910 hatte die Batschka eine Fläche von 10 357 km2 und 812 385 Einwohner. Die ethnische Vielfalt seiner Einwohner setzte sich zusammen aus 44,8 % Ungarn 23,1% Serben, 23,5% Deutsche, 8,8% Sonstige. In der Landwirtschaft waren 67,7 % tätig, 15,6% in der Industrie und im Handwerk, 3,1% im Handel und Kredit, 1,8%, im Verkehr, 2,7% im öffentl. Dienst und den freien Berufen, 4,3% waren Tagelöhner, 1,7% Rentner, 1,3% waren häusliche Dienstboten, 1,7% in anderen Berufen.

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen

Das am 28.06.1914 in Sarajewo auf den österreichischen Thronfolger und seine Frau verübte Attentat führte, mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28.07.1914 zum Ersten Weltkrieg. Die Batschka war von den Kriegsereignissen direkt nicht betroffen. Nach der militärischen Niederlage der Donaumonarchie besetzte Ende 1918 die französische Balkanarmee die Batschka. Anfang 1919 lösten serbische Truppen die Franzosen ab. Im Friedensvertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 wurde die Aufteilung Österreichs und Ungarns endgültig festgeschrieben. Bei der Aufteilung des besiegten Landes unter den Siegermächten fiel die Batschka, wie bereits zu Beginn beschrieben, an den neu gegründeten Staatenbund der Serben, Kroaten und Slowenen. In der serbischen Batschka wurde Serbisch zur Staatssprache. Die ungarischen Ortsnamen wurden serbisiert so hieß jetzt z. B. Ujvidek (Neusatz) Novi Sad. Der Pengö wurde vom Dinar abgelöst. Die bisher für den österreich-ungarischen Markt produzierende Landwirtschaft hat ihr Hauptabsatzgebiet verloren.

Die wirtschaftliche Neuorientierung

Eine Agrarreform des neuen Staates führte 1919 weitgehend zu der Enteignung des Großgrundbesitzes. Dörfer, von Grundherren gegründet und ganz in ihren Diensten der Puszta standen, verloren ihre wirtschaftliche Existenz. In Kleinparzellen wurden 42 000 enteignete Katastraljoch vorwiegend an jugoslawische Kriegsfreiwillige (je 5ha) und serbische Kolonisten (je 3ha) aufgeteilt. Um in der Weltwirtschaftskrise der 20er Jahren auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben, schlossen sich die Bauern in wirtschaftlichen Organisationen zusammen.
Die 1922 in Novi Sad von der deutschen Volksgruppe gegründete landwirtschaftliche Zentralgenossenschaft AGRARIA war besonders erfolgreich.
Sie übernahm für die angeschlossenen örtlichen Genossenschaften die zentrale Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte, die Warenbeschaffung - Kunstdünger war vor dem Ersten Weltkrieg in der Batschka noch unbekannt - und den Maschineneinkauf. Im Jahre 1940 gehörten dem Verbund der Agraria 141 örtliche Genossenschaften an. In demselben Jahr verkaufte die Agraria für ihre Bauern Weizen, Mais und Hanf im Wert von 48. 000. 000,- Dinar.
Der Bevölkerungsanteil im Jahre 1921 in der Batschka setzte sich zusammen aus 35,5% Ungarn, 33,5% Serben/Kroaten, 23,6% Deutsche, 4,2% Slowaken, 1,5% Ruthenen, 0,2% Rumänen und 1,4% Andere. Von der 1938/39 zu 80% als Ackerland genutzten Gesamtflächen der Batschka fielen 45% auf Weizen, 30% auf Mais und 5% auf Hanf. Hauptabnehmer des Weizens waren England, Belgien, Holland und Skandinavien. Der Mais wurde nach Österreich, Deutschland, England Dänemark und in die Tschechei exportiert. Der Hanf, 5% der Anbaufläche, erlebte Mitte der 30er Jahre und während des Zweiten Weltkrieges seine Hochkonjunktur. Seiner Qualität und des wirtschaftlichen Ertrags wegen wurde er das "Weiße Gold der Batschka" genannt. Die Devisen aus dem Hanfexport nach Deutschland im Jahre 1940 in Höhe von 120 bis 130 Mio. Reichsmark, wurden zum Kauf moderner Agrartechnik verwendet. Ein Langer, 150 Jahre dauernder mühsamer Weg vom Tretplatz der Ansiedlungszeit bis zu der Selbstbinder-Mähmaschine der Firma Fahr. Vom einfachen Holzpflug bis zum mehrscharigen Eisenpflug.
Im Gedreiteproduktionsland war die Mühlenindustrie der verbreitetste Industriezweig in der Batschka. Jedes Dorf besaß eine Dampf-Getreidemühle. Großmühlen, für den Absatzmarkt nach Bosnien-Herzegowina, Dalmatien, Slowenien und Böhmen, waren elektrifiziert.
Die 1912 in Crvenka (Tscherwenka) gegründete Zuckerfabrik, eine weitere gab es in Novi Vrbas (Neu - Werbass), wurde 1935 mit der Ausdehnung der Kapazität um 70% die modernste Zuckerfabrik Europas. Während der Kampagne beschäftigte Novi Vrbas 1000 und Crvenka 2000 Arbeitskräfte. Neben Novi Sad und Subotica behauptete sich nach dem Ersten Weltkrieg weiterhin Apatin als weiterer Industrie - Standort. Unter den 13 435 Apatiner im Jahre 1922 waren 560 Gewerbetreibende, 1200 Gesellen und 350 Lehrlinge. In Apatin gab es eine Schafwollspinnerei, Möbel-, Hanf- und eine Schuhfabrik. Neben Schiffswerften, 30 Donaumühlen, 30 Ziegelöfen mit einer Jahreskapazität von mehr als 60 Mio. Dach- und Mauerziegel. Die Kulaer Armaturenfabrik übertraf 1935 mit ihrer Leistung die Wiener und Budapester Konkurrenz.

Der deutsche Nationalsozialismus erreicht die Batschka

Der in der Mitte der 30er Jahre in Deutschland entzündete Nationalismus breitete sich wie von einer Fackel getragen auf ganz Europa aus und brachte die bisherige Harmonie in der europäischen Bevölkerung aus dem Gleichgewicht. Die Batschka mit ihren vielfältigen nationalen Bevölkerungsgruppen war davon nicht ausgenommen. Am 1. Sept. 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Die national-sozialistische Ideologie des Deutschen Reiches sowie der erfolgreiche Verlauf des Krieges erhöhte den wachsenden Einfluss des Deutschen Reiches auf die in europäischen Ländern als Minderheiten lebenden deutschen Volksgruppen. Diese allgemeine Erscheinung machte bei den Batschka-Deutschen keine Ausnahme. So schrieb ein serbischer Schriftsteller rückblickend 1989 über die Donauschwaben vor dieser Zeit:
Außer das sie eine andere Sprache sprechen unterscheiden sie sich nicht von den Serben. Sie haben das gleiche Gesicht, die Männer haben schon im ersten Winter der Ansiedlung die gleiche Pelzkappe aus Lammfell getragen, an den Füßen die gleichen Holzschuhe, den Rücken von der Arbeit gekrümmt wie die Anderen. Die Batschka braucht einen besonderen Menschenschlag für schwere Arbeit, die dem Boden wie Sklaven ergeben sind.

Ivan Ivanji, mehrsprachig in multikultureller Umgebung in Backo Gradiste aufgewachsen, schreibt über das Verhältnis dieser multikulturellen Gesellschaft vor 1941:
Vor dem Krieg hatten Serben, Juden, Deutsche, Rumänen, Slowaken und Zigeuner in einer friedlichen, nahezu konfliktfreien Gemeinschaft gelebt. Es gab keinen Unterschied der Lebensweise und Weltanschauung.
Der gleiche Schriftsteller schreibt über seine deutschen Nachbarn nach 1939/40:
Solange die deutschen Truppen im Sommer 1941 siegreich in die Sowjetunion vordrangen, herrschte bei der Mehrheit der Donauschwaben Begeisterung. Sie trugen ihre Uniform stolz, grölten in den Wirtshäusern, und alle anderen Bürger, Ungarn, Slowaken und Serben gingen ihnen aus dem Weg. Hatte die Mehrheit von ihnen gar keinen Standpunkt, handelte sie stets nur, weil es gerade von oben so gewünscht wurde.

Die Batschka wird wieder ungarisch.

. Von ihren Verbündeten Italien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien unterstützt besetzte am 6. April 1941 die deutsche Wehrmacht Jugoslawien. Die Aufteilung des nach 6 Tagen widerstandslos beendeten Feldzuges unter den Siegermächten ließ die Batschka wieder zurück nach Ungarn fallen. Novi Sad hieß wieder Ujvidek, die Währung war wieder der Pengö. In der Batschka kam es zu blutigen Verfolgungen der Serben durch die Ungarn. Die Mehrheit der ethnischen Gruppen arrangierten sich mit den neu geschaffenen Verhältnissen. Die Deutschen lehnten sich noch mehr an das Volk ihrer Herkunft an. Eine Erscheinung der deutschen Minderheiten, die in allen Staaten Südosteuropas zu beobachten war. Der Krieg war in der Batschka angekommen. Die Deutschen in der Batschka bevorzugten, aufgrund eines Abkommens zwischen der deutschen und ungarischen Regierung, ihren sie verpflichtenden Kriegsdienst in deutschen Militäreinheiten abzuleisten. Da das Abkommen dem Völkerrecht widersprach, wurden die Rekruten offiziell als Freiwillige registriert. Die Wende des Kriegsverlaufes zugunsten der Roten Armee ließ mit ihrem Vormarsch aus Südosten die Hälfte der deutschen Bevölkerung der Batschka nach Österreich und Deutschland flüchten.

Die Batschka im kommunistischen Jugoslawien

Nach vierwöchiger sowjetischer Besetzung im Oktober 1944 übernahmen im November die Partisanen die Macht in dem befreiten Jugoslawien. Die Staatsgrenzen zu Ungarn wurden wieder nach dem Vertrag von Trianon 1920 festgelegt. Die Batschka gehörte wieder zu Jugoslawien. Ujvidek hieß wieder Novi Sad und der Dinar löste den Pengö wieder ab. Der noch während des Krieges am 21. Nov. 1944 vom kommunistischen Kriegsparlament der Partisanen AVNOJ (das serbische Kürzel für "Antifaschistischer Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens") gefassten Beschluss sah vor, allen Gegnern der Sowjetisierung Jugoslawiens die Bürgerrechte abzuerkennen und ihr Vermögen in Staatseigentum einzuziehen. Die deutsche Bevölkerung des Banates und der Batschka wurden kollektiv der Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht beschuldigt und als einzige ethnische Gruppe über die AVNOJ-Beschlüsse entrechtet und verfolgt. Dem Bestreben der Staaten Ost- und Mitteleuropas, die in ihren Staaten lebenden Minderheiten im Besonderen die Deutschen, zu vermindern, wurde von den Siegermächten auf dem Potsdamer Abkommen am 2.8.1945 gebilligt. Daraufhin erfolgten die Ausweisungen der Deutschen Minderheiten aus Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei nach Deutschland. Jugoslawien wurde dazu nicht ermächtigt. Das kommunistische Jugoslawien löste die deutsche Minderheitenfrage mit dem Einzug ihres Vermögens zugunsten des Staates und der Internierung in Zwangsarbeits - und Sterbelager im eigenen Land. Rund 200 000 wurden 1944/45 in Internierungslager getrieben, ca 25 000 in Arbeitslager in die Sowjetunion deportiert. Im Jahre 1947 wurde die lagerhaft zugunsten einer erleichterten Fluchtmöglichkeit über die ungarische Grenze ermöglicht. Ab 1948 wurden die Lager auf internationalen Druck aufgelöst. Rund 55 000 haben die Internierung nicht überlebt. Für die deutsche Minderheit, die maßgeblichen Anteil an der kulturellen Erschließung der einstigen Steppenlandschaft hat, war in der Batschka nach 1945 kein Platz mehr.
Die Ungarn als größte Minderheit in der Batschka waren in der Anfangszeit ebenfalls den Verfolgungen der Partisanen ausgesetzt. Die von der kommunistischen Regierung Jugoslawiens vorgesehene Vertreibung der Ungarn aus der Batschka scheiterte am russischen Einspruch.
In den Jahren 1945/46 wurden insgesamt 250 000 Kolonisten vorwiegend aus Bosnien, der Krajina und Montenegro in der Batschka und dem Banat angesiedelt. Syrmien, die Batschka und das Banat wurden 1946 zur autonomen Provinz Vojvodina vereint. Der Name Vojvodina ist aus dem serbischen Vojvodstvo für Herzogtum entlehnt.
Nach der Volkszählung von 1948 lebten in der Vojvodina 1. 663. 212 Einwohner, davon waren 50,6% Serben, 25,8 % Ungarn, 4,3 % Slowaken, 3,6 % Rumänen, 1,9% Deutsche, 1,8% Montenegriner, 1,3 % Ruthenen.
Jugoslawien wurde nach der Machtübernahme der kommunistischen Partisanen Titos am 29.11.1945 in Föderative Volksrepublik Jugoslawien umbenannt um am 07.04.1963 in Sozialistische Förderative Republik Jugoslawien geändert zu werden. Das Gesellschafts - und Wirtschaftssystem orientierte sich nach dem sozialistischen Modell der Sowjetunion. Den Anfang der einsetzenden Kollektivierungswelle bildete der auf den AVNOJ-Beschluss beruhende Einzug des Feindvermögens in das Eigentum des Staates. Davon betroffen waren als Erste die enteigneten Vermögen der der Kollaboration mit dem Feind kollektiv beschuldigte deutsche Bevölkerung. Bei Kriegsende waren 42,38% des Ackerbodens der Batschka in deutschem Eigentum. Enteignungen von Landbesitz von mehr als 45 ha traf alle Staatsbürger unabhängig der Nationalität. Um die Sozialisierung der Landwirtschaft voranzutreiben, wurden 50% des in einen Bodenfond eingebrachten enteigneten Landes an private Bauern zu je drei Hektar aufgeteilt. Aus den restlichen 50% entstanden kolchosähnliche landwirtschaftliche Arbeitsgenossenschaften (Seljacka Radna Zadruga und Opšta Zemljoradnicka Zadruga). Mit den neuen Arbeitsmethoden nicht vertraut, unter Anpassungsschwierigkeiten leidende Neukolonisten, fehlende Arbeitsgeräte und zwei Dürrejahre ließen 1952 die Getreideerträge auf 37% der Vorkriegsproduktion sinken. Die misslungene Zwangskollektivierung der Landwirtschaft wurde nach der fatalen Entwicklung 1953 aufgehoben. Die Genossenschaften reorganisierten sich. Der privatbäuerliche Landbesitz wurde auf zehn Hektar limitiert. In den Genossenschaften verbesserte sich die Zusammenarbeit der Privaten mit den Gesellschaftlichen Betrieben. Im Zuge der Wirtschaftsreform 1965 wurde auch auf dem Sektor der Landwirtschaft das Selbstverwaltungsprinzip eingeführt, es bedeutete mehr Unabhängigkeit in den Betrieben.
Nach dem Tod von Tito am 4.Apr.1980 begann der Zerfall Jugoslawiens. Von Bürgerkrieg begleitet, machten sich die Teilrepubliken Kroatien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina in den Jahren 1991/92 unabhängig. Im Jahre 2006 folgte Montenegro diesem Beispiel. Die Vojvodina, und mit ihr die Batschka, haben den Zerfall des einstigen Jugoslawien unberührt überstanden und bilden heute die nördlichste Provinz des heute in Serbien umbenannten Restjugoslawien. Die ethnische Vielfalt der Bevölkerung blieb trotz zahlenmäßiger Veränderungen erhalten. Nach der Volkszählung von 2002 hat die Batschka 974 587 Einwohner. Die Provinzhauptstadt ist Novi Sad mit ca. 300 000 Einwohner.
Ein Land mit einer wechselvollen Geschichte. Einer Geschichte, des friedlichen und harmonischen Zusammenlebens seiner multikultureller Bevölkerung vor dem Zweiten Weltkrieg, könnte heute dem Europa als Beispiel dienen.
Ein Land, in dem ich bis zu meinem 14. Lebensjahr eine unbeschwerte Kindheit verbringen durfte und das bis zu meiner Internierung im Oktober 1944 meine Heimat war.
Schließen möchte ich diesen Bericht über die Batschka mit einem Zitat des deutschen Historikers Leopold von Ranke:

"Die glücklichsten Zeiten der Menschheit sind die leeren Blätter im Buch der Geschichte."


Meine Informationen bezog ich aus zahlreichen Quellen, deren Aufzählung den dafür erforderlichen Platz sprengen würde.
Der Autor erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
(Heinrich HOFFMANN)