„Wenn der Opa
erzählt von zu Hause“
Wenn Opa erzählt von zu
Haus, Er
spricht ja so gern von der Zeit
Sieht er jung und so
fröhlich aus,
voller Glück- und Seeligkeit.
Dann bin ich ganz
mucksmäuschen still,
Er selber war damals noch klein,
weil ich ihm zuhören
will. Und würde gerne zu
Hause sein.
Seine Heimat sah ich nie,
doch von Herzen lieb ich
sie.
Wie schön es dort war,
hör ich immer heraus,
wenn Opa erzählt von zu
Haus.
Der erste Tag der Anreise
endete programmgemäß mit dem Zwischenaufenthalt izur Übernachtung m Airo-Tower Hotel im Außenbezirk Oberlaa
von Wien. Erwartet wurden wir schon von einigen unseren Wiener Landsleuten.
Wiedersehen feierte ich mit meinem Schulkameraden Heinrich Bauer, der in Wien
lebt. Erinnerungen wurden wach an die gemeinsame Leidenszeit im Lager Palanka,
wo er Lagerrasierer (Brico) war und ich der Einseifer.
Am Morgen des zweiten Tages,
die Wiener Mitreisenden waren zugestiegen, nahmen beide Busse die Fahrt auf mit
dem Reiseziel Novi Sad Hotel Park.
Ohne größere Passkontrolle
passierten wir die die Grenzen der Euroländer Österreich und Ungarn. Die
Langeweile während der langen Fahrt durch Ungarn wurde überbrückt mit
Kurzvorträgen, Witzen und Anekdoten vorgetragen von Fahrgästen.
Jürgen unser Busfahrer
lenkte zum dritten Mal seinen Fernreisebus nach Bulkes. Obwohl im Ruhestand,
lässt er es sich nicht nehmen seine „Bulkeser“ heimzufahren. Diesesmal brachte
er wieder seine Marlies mit. Marlies ist die „Stewardess“ an Bord die während
der Fahrt aus der Kühltruhe erfrischende Getränke serviert und den Kaffee
aufbrüht. Sie trägt bei, dass der Druck in der Blase zunimmt, Jürgen das dieser
sich an den Raststätten entleert.
Schließlich erreichten wir
die ungarisch/serbische Grenze. Beim Verlassen von Euroland begnügte sich der
ungarischen Grenzer im Vorbeigehen mit einem Blick auf unsere Ausweise. Hundert
Meter weiter die serbische Grenzkotrolle. Jetzt waren wir Ausländer. Die Pässe
wurden eingesammelt und mitgenommen. Es dauerte und dauerte und dauerte. Einer
nach dem anderen, der nach uns gekommene Busse, wir zählten 7 bis 8 darunter
ein Linienbus Wien nach Belgrad, durften weiterfahren, wir nicht. Schließlich
erfuhren wir, dass in den Unterlagen der Busfahrer die grünen
Versicherungskarten fehlten.
Nach über einer Stunde
Aufenthalt kam endlich per Fax die grüne Versicherungskarte und wir durften
nach Serbien einreisen.
Fortan waren unsere Blicke
nach draußen gerichtet. Schon bald lag vor uns die Ebene der Batschka die
unendliche Weite mit dem nicht enden wollenden bis zum Horizont reichenden
Blick. Rechts und links der Strecke braun gefärbte Maisfelder, dazwischen
umgepflügt die schwarze Erde der Batschka.
Jürgen holte die an der Grenze verlorene Zeit auf der ausgebauten Fernstraße nahezu ein, als er bei
Novi Sad die Ausfahrt verpasste. Das Umkehren verzögerte erneut unsere Ankunft,
sodass wir erst um 18,30.Uhr vor dem Hotel von unseren Fliegern erwartet
wurden.Es blieb verdammt wenig Zeit zum Einquartieren und Frisch machen für das um 19 Uhr angesetzte Fischpaprikaschessen
in Begeč an der Donau. Bei unserer Ankunft in Begeč war es bereits
dunkel, von unserem überdachten Freisitz in der Csarda konnten wir die ca. 30
Meter entfernt fließende Donau nur im Spiegel des Mondes sehen.
Gesättigt von dem Fischpaprikasch und müde von der langen Busfahrt ging der zweite Tag der Reise
im Bett des Hotels Park zu Ende.
Bei bereits um 10 Uhr
herrschten hochsommerliche Temperaturen, wurden unter beschwerlichen
Bedingungen die Gedenkstunde mit Reden und dem geistlichen Teil von Karl Weber
abgehalten. Zwischenzeitlich suchte auch ich einen in der Nähe stehenden
Schatten spendete Baum auf.
Nach der Beendigung der
Gedenkstunde überraschte uns der Bürgermeister von Jarek mit seiner Einladung
zu einem Empfang im Rathaus.
An der Türe zum Saal stand
ein Mann, der die Gäste einzeln in den Saal winkte als wollte er sie begrüßen.
Als ich dran war, sagte ich ihm auf deutsch, in der Erwartung, dass er deutsch
nicht versteht, „Bei einem Empfang gibt
es aber Raki“. Darauf antwortete er „bidje,
bidje“, es gibt, es gibt. Das bidje nicht ernst nehmend,
nahm ich in der hinteren Reihe des Saales Platz. Als dann nach meinem Erstaunen
reihum Raki gereicht wurde, nahm ich mir selbstverständlich auch einen vom
Tablett. Also doch bidje .Mein Erstaunen ließ mir die Röte ins Gesicht steigen,
als uns der „Türsteher“ als Bürgermeister von Jarek begrüßte. Also hatte ich
den Bürgermeister von Jarek aus Spaß ungewollt zum Ausschank von Raki
provoziert.
Ob die überaschende
Einladung des Jareker Bürgermeisters ein Umdenken bedeutet, doch noch
Genehmigung der Gedenkstätte in Jarek zu erteilen, wird die nahe Zukunft
zeigen. Oder ist sie zurückzuführen auf die Tatsache, dass der Vater des
Bürgermeisters von Jarek als Ungar zeitweise auch in Jarek interniert war.
Den zur freien Verfügung
stehenden Nachmittag nutzen die meisten für eine Fahrt nach Maglić. Von unserer
Reiseleitung angekündigt, hat das Restaurant in Maglić geöffnet und bietet
ein Essen an. Da es Mittagszeit war, setzten sich alle an die gedeckten Tische
und warteten auf das Essen. Getränke wurden aufgetragen, auf das Essen warteten
wir vergebens.
Das Missverständnis zwischen
unserer Reiseleitung und dem Restaurant kostete uns wertvolle Zeit, die uns zu
einem ausgiebigen Rundgang durch Maglić verloren ging.
Als Teilnehmer einer
Reisegesellschaft mit vorgegebenem Programm bleibt oft wenig Zeit zur individuellen
Verfügung. Diesesmal bedauerte ich das ganz besonders, da ich meinen
Angehörigen mehr von Bulkes zeigen wollte. Nachdem von Hausbesuchen abgeraten
war, führte ich meine Angehörigen in die Letzschgass um unser ehemaliges Haus
herum. Hinein gingen wir nicht.
Zu schnell verging die Zeit,
wollte man das um 19 Uhr angesetzte Abendessen im „Aroma“ in Petrovac nicht versäumen. Kämpften am Vorabend manche
beim Fischpaprikaschessen mit den kleinen Gräten, so konnte man an diesem Abend
bedenkenlos auf verschiedene Fleischsorten auf der prall gefüllten Platte
zugreifen.
Der Tag endete wie alle
andern, in unserem Domizil dem Hotel Park in Novi Sad.
| |
|
|
|
In dem von der orthodoxen Kirche nicht mehr genutzten Vorraum hielt Karl Weber, der Prediger aus Karlsruhe, von der ungarischen Blasmusik umrahmt, eine Gedenkandacht statt. Die Verpflichtung der ungarischen Blasmusikkapelle von Karl Weber Fußgönheim war als Überraschung gedacht und sollt im weiteren Verlauf eine große Rolle spielen. |
Anschließend brachten uns die Busse zum Festakt der Einweihung des Gedenksymbols an unseren ehemaligen Friedhof.
Die Feierstunde moderierte Rajko Perić, der Bürgermeister von Maglić. Zu der großen Anzahl von prominenten Ehrengästen begrüßte er u.a. Frau Manić in Vertretung des Parlamentspräsidenten der Vojvodina Herrn Egereszi, Frau Marschall Kulturattaché der deutschen Botschaft in Belgrad, den Bürgermeister von Petrovac, den Präsidenten des deutschen Nationalrates in Serbien Herr Mandler, Josef Jerger als Vertreter des Bundesvorsitzenden der Donauschwaben.
|
|
Nachdem die Hülle das Gedenksymbol freigegeben hatte, setzte sich von einem Trauermarsch begleitet, ein Trauerzug bestehend aus den 23 Nachkommen vom äußeren Rand des Veranstaltungsrundes zum Gedenksymbol in Bewegung. Voran die Träger der Kränze gefolgt von den Trägern/innen roter Stielrosen. Das Stielende der Rosen war in einem Plastikröhrchen mit Wasser gefüllt die das Einstecken in ein Stereporpack am Sockel der Tafeln ermöglichte. Nach dem der Trauerzug die Kränze niedergelegt und die Rosen gesteckt hatte, durfte jeder der Anwesenden soviel Rosen wie er wollte an das Fußende an beliebiger Stelle der Tafeln einstecken. Auch ich holte vier Rosen. Drei steckte ich auf die Seite der Jarek Tafel für meine zwei Großmütter und meine kleine Schwester. Eine trug ich auf die Tafel Antrazit für meine Mutter.
| |
Im wilden Gestrüpp unseres
ehemaligen Bulkeser Friedhof suchten wir die von Urgroßvater 1917 für seine
männlichen Nachkommen erbaute Gruft. Schließlich konnten wir an dem Abdruck der
letzten noch erkennbaren Buchstaben das Fundament der Gruft identifizieren.
Zum anschließenden Mittagessen
setzte sich Milan Pilipović an meine Seite. Ein Maglićer Freund aus
2001. Damals als wir zu acht, ich zum ersten Mal nach 1944, Maglić
besuchten, organisierte Milan die damals komplizierte Besuchsregelung. Wärend
unseres Aufenthaltes war er und der zwischenzeitlich gestorbenen Duzan auf
Schritt und Tritt unsere Begleiter.
Milans Gratulation zu meinem
Geburtstag trifft jedes Jahr pünktlich ein.
Als wir aufbrachen, damit
ich meinen Angehörigen das Haus meiner Kindheit zeigen wollte, hatte Milan
Zweifel, ob die Hauseigentümerin zu Hause ist. Wie damals 2001 war Milan zur
Stelle und begleitete uns in Abwesenheit der Hauseigentümerin auf dem
Hausgrundstück. Teile des Wohnhauses wurden abgetragen und durch einen Anbau
ersetzt.
Meinen Angehörigen konnte
ich die ursprüngliche Bebauung und Verwendung des Vorder- und Hinterhofes
unseres Bauernhauses anschaulich beschreiben.
Mein Enkelsohn Bernhard
konnte sehen, wo der Opa seine Kindheit verbrachte und woher der Opa kommt.
Wärend des Aufenthaltes
befreundete er sich mit dem Enkelsohn unseres in Petrovac lebenden Landsmannes
Fritz Werle, mit dem er heute in ständigem Email Austausch steht.
Den letzten Abend saßen wir
in Gruppen auf der Terrasse des Hotels und ließen die Ereignisse des Tages
nochmal Revue passieren.
Auf dieser Reise hat meine
Tochter ihre Ur-Ur-Ur-Urgroßnichte kennengelernt. Beide wollen sich zum
Bulkeser Treffen im Mai 2012 in Kirchheim/Teck wieder treffen. Von wegen die
Bulkeser sterben aus, wo sollen sie sich anderswo treffen als auf dem Bulkeser
treffen.
Schon bald galt es am nächsten Morgen Abschied von den Flugreisenden zu nehmen, denn der Bus trat schon früh die zweitägige Heimreise an. Die Verarbeitung der letzten Tage wurden auf der Fahrt von Novi Sad bis Wien abgelöst von lustigen Einlagen, von Bernie Sander und Günter Greifenstein.
Nach jedem meiner bisherigen vier Besuche in Maglić, bleibt am Ende die Erkenntnis, dass dies der letzte Besuch in meinem Geburtsort war. Wie in der Vergangenheit so wird es auch jetzt wieder kommen, je länger der Abstand vom letzten Besuch, desto größer wird die Sehnsucht zur alten Heimat.
Am Spätnachmittag brachten uns die Busse nach Jarek, wo wir an dem vor zwei Jahren errichteten Kreuz für unsere im Lager Jarek gestorbenen Angehörigen eine Andacht hielten. Ein Vertreter des Bürgermeisters von Jarek nahm an der Andacht teil.
Beendet wurde dieser Tag, wie jeder der Aufenthaltstage in Novi Sad, mit dem gemeinsamen Abendessen in einem für uns reservierten Saal im Hotel Park. Ein Hotel, von unseren Organisatoren schon im Vorfeld gepriesen, der Spitzenklasse. Am Ende einer breiten lange nach oben führenden Eingangstreppe und dem Verlassen der Drehtüre, eine mächtige Empfangshalle. Zahlreiche Sitzgarnituren aus feinem Leder, an den Seiten in den Nischen die Bars führte ein roter Teppich zur Rezeption. Die Zimmer geräumig mit Klimaanlage, natürlich mit Minibar und Dusche und einer detaillierten Ausstattung, schufen eine angenehme Atmosphäre. Mir hat es gut gefallen. Zu schade, um nur zu schlafen. Offensichtlich hat die Küche noch wenig Erfahrung bei der Essensausgabe für 70 bis 80 Personen.
Beilagen, wie Kartoffeln, kamen kalt auf dem Teller auf den Tisch. Dafür entschädigte das Frühstücksbuffet. In einem großzügigen und umfangreichen Angebot, auch an Regionalem, war gewiss für jeden Geschmack etwas dabei. Besonders und immer umlagert, der Koch mit der roten Mütze am Omlettstand. |
|
Na ja, auf das Warten auf den Aufzug war für die im siebten Stock Wohnenden zeitweise ein Geduldsspiel. Wollen jedoch 70 bis 80 Personen zur gleichen Zeit mit zwei Aufzügen befördert werden, ist der Stau vorprogrammiert. Unsere Reiseorganisatoren hatten mit der Wahl des Hotels Park einen Volltreffer erzielt. |
Auf der Fahrt zum Kirchplatz in Höhe der Letzt Gass wurden wir bereits auf einem großen Plakat herzlich willkommen geheißen. Ich schloss mich freiwillig der kleinen Gruppe an, welche den orthodoxen Gottesdiens in der Vorhalle unserer Kirche besuchte. Der Pope begrüßte uns in seinem gesungenen Gottesdienstablauf. |
|
Etwas später erklärte er in Worten seiner kleinen Schar Maglicer Gottesdienstbesucher, die uns nicht sehen konnten, den Anlass unseres Besuches in Maglic. Nach etwa 30 Minuten verließen wir wieder den Gottesdienst, um pünktlich zu der um 10 Uhr anberaumten Einweihung des Gedenksteines auf dem Bulkeser Friedhofes zu sein. |
|
|
Wir telefonierten zunächst mit Anna JUNG, dann fuhren wir nachmittags zu ihr. |
| September 2006
|
|