Für die Erzieherin Elvira Konakov - zweite von rechts im Bild unten - aus dem serbischen Subotica waren es ungewöhnliche Zustände.
Die Rede ist von den Öffnungszeiten der Kindergärten in der Fächerstadt. In ihrer Heimat geht der Betrieb schon um 6 Uhr morgens los, er endet erst um 17 Uhr.
Paradiesische Zustände, von denen Eltern mit Söhnen und Töchtern im Kindergartenalter hier zu Lande nur träumen können.
Elvira Konakov hat in den vergangenen drei Wochen zusammen mit acht Kolleginnen aus der nordserbischen Provinz Vojvodina Kindergartenluft in mehreren Karlsruher Einrichtungen geschnuppert. Vor allem ging es dabei um den Spracherwerb, denn in den serbischen Kindergärten wird schon in frühen Jahren eine Fremdsprache eingeführt. In mehr als 20 staatlichen Kindergärten haben sich die Erzieherinnen und Erzieher für Deutsch entschieden -nicht etwa für Englisch oder Französisch.
Elvira Konakov, die in Serbien die Pädagogische Akademie besucht hat, konnte im evangelischen Kindergarten in der Kußmaulstraße wertvolle Anregungen für den Sprachunterricht zu Hause sammeln.
"Ich habe sonst keine Möglichkeit, Deutsch anzuwenden", beschreibt sie die Problematik.
Untergebracht war sie in einer deutschen Familie, auch das ein Vorteil, um die Kenntnisse auszuweiten. In dem Kindergarten, in dem sie in ihrer Heimat arbeitet, wird zwei Mal in der Woche für eine Stunde deutsch gesprochen.
"Wir singen deutsche Volks- und Kinderlieder",
berichtet sie.
Organisiert wurde der Aufenthalt vom Hilfskomitee für die Deutsche Evangelische Landeskirche aus dem ehemaligen Jugoslawien. Zum Abschluss-Austausch über die gemachten Erfahrungen trafen sich die Teilnehmer noch einmal alle gemeinsam im evangelischen Fachseminar in Rüppurr.
Der Leiter des Hilfskomitees, Herbert Schön, betonte, dass in Serbien die deutsche Sprache nicht als Sprache einer Minderheit gelehrt würde, sondern als Sprache im europäischen Kultur- und Wirtschaftsraum.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs lebte die Volksgruppe der Donauschwaben in Nordserbien. Das Diakonische Werk Baden und die donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg unterstützten den Besuch der acht Erzieherinnen und Erzieher nicht nur in ideeller, sondern auch in finanzieller Einsicht."
Heinrich Stephan
Über 100 Bulkeser besuchten ihren früheren Heimatort Bulkes (heute Maglić) und das Massengrab in Jarek im September 2006.
Dieser erste Besuch einer großen Bulkeser Reisegruppe wurde von der Heimatortsgemeinschaft Bulkes unter dem Vorsitz von Franz JUNG in Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft der Donauschwaben unter dem Vorsitz von Hans SUPRITZ und der Donaudeutschen Landsmannschaft in Rheinland-Pfalz unter dem Vorsitz von Josef JERGER organisiert und durchgeführt.
(Siehe 2. Reisebericht über....)
Rückblick
Bevor über die längst fällige, endlich zustande gekommene und insgesamt geglückte BULKES-Reise berichtet wird, soll an das 25. BULKESER HEIMATTREFFEN vor über 8 Jahren am 30/31.Mai 1998 erinnert werden.
Bekanntlich hat unser Bulkes-Kanadier Bernd SANDER bereits damals in seiner visionären, mutigen wie denkwürdigen Festrede
einen BRÜCKENBAU nach Bulkes dem heutigen Maglic zu den serbischen Bewohnern vorgeschlagen.
Der volle Wortlaut kann am Ende der folgenden Reiseberichte nachgelesen werden.
Was damals leider mehrheitlich abgelehnt wurde, fand nun dank der einsichtsvollen Bemühungen unseres HOG-Vorsitzenden Franz Jung eine so breite allgemeine Zustimmung der Bulkeser, dass die Tür geöffnet ist für die Weiterentwicklung von freundschaftlichen Beziehungen auf dem Weg in die Zukunft, z.B. einer Städtepartnerschaft Kirchheim - Maglić?
1. Reisebericht über die Ankunft der Bulkeser in Maglić am 17.September 2006
Autorin: Frau Dobrila Boba Knežević aus Beograd in Zusammenarbeit mit Dušan Knežević aus Maglić
Rückkehr der Hausherren
Am 17. September 2006.
"Es ist Sonntag.
Die Zeit vor dem Mittagessen.
Vom neuen Weg bei der Tscharda biegen zwei Busse und einige Pkws links in das Dorf mit zwei Namen, ab.
Bulkes? Maglić?
Alle sind aufgeregt.
Viele haben von Tränen getrübte Augen. Sie erinnern sich an ihre Kindheit und Jugend.
Sie erinnern sich auch an die plötzliche Abfahrt - an ihre Verfolgung (Vertreibung).
Es geschah vor über 60 Jahren, bei ihrem letzten Aufenthalt im Dorf.
Sie sind zaghaft. Wohin sollen sie schauen?
Es gibt keine schönen Weinberge, keine Ziegelbrennerei, keine Hanffabrik, keine Salasche mehr.
Sie sehen, dass links noch immer die Grundlöcher sind, die sie an die Sommertage der Kindheit erinnern.
Sander/Hauche Mühle ist heruntergekommen, - aber sie hält weiter stand.
Vor sich sehen sie den hohen Turm der Bulkeser Kirche, die der Enkel von Herrn Johann Sander, Margarethas Sohn Bernd Sander, versuchte zu erneuern.
Zuerst werden sie von den heutigen Bewohnern des Dorfes empfangen, von den tüchtigen Leuten, die hierher gebracht wurden, - viele haben zwangsweise die Häuser ihrer Vorfahren verlassen müssen.
Sie sind nun für immer hier, um alle, die ins Dorf kommen, willkommen zu heißen.
Sie kamen aus unterschiedlichen südlichen Balkangebieten: Opa Nikola aus Moravatal, Janis aus Griechenland, Trivuna spielte neben Una, Stojanka aus Mazedonien, Filip aus Dalmatien, Katica aus dem Norden der Batschka, Novak aus Herzegowina, der kleine Milan wurde in Maglić geboren, ...
Die schöne Schülerin der Mittelschule Fräulein Nada aus dem Haus Nr. 146 begrüßt als Erste die ankommenden Gäste.
Zum ersten Mal steht heute das ehemalige Fräulein SCHREINER, jetzt Margaretha DEGEN mit ihren beiden Kindern Johann und Margaretha neben ihr. Sie sind im selben Haus aufgewachsen.
Jede zu ihrer Zeit.
Während die Busse sie durch die Straßen ihrer Kindheit und Jugend fahren, sind die Reisenden sehr aufgeregt, sie sehen, dass ihre heutigen Bulkeser Nachbarn vor ihren Häusern stehen oder
sie sitzen auf den Bänkchen, - warten auf sie mit Geduld.
Die ersten drei Kleinen von WAHLs sind mit Maria und Theresia KEMPF. Bei ihnen sind auch die drei Katarinas aus 400a und Anna und Dorotea aus 206 b und Herr Jakob FREY aus 292.
An der Ecke steht der Dorfschornsteinfeger mit seiner Familie.
Sie fahren an Haus Nummer 396 vorbei. Im Bus befindet sich keiner der KLEINs. Die WEBERs aus 391 fehlen, die WEISSENBACHs aus 332 auch.
Die Busse sind bereits bis zur Erste Gasse gefahren. Sie fahren in Richtung Friedhof.
Die Familie des Kaufmanns Fritz BECK wartet vor ihrem Haus. Sie würden gerne in ihr Haus hineingehen, aber in diesem leben inzwischen einige andere Leute. Sie wollen sie nicht stören.
Es ist Mittag.
Zeit zum Mittagessen in ihrem schönen Dorf Bulkes.
Am Haus des früheren Bulkeser Arztes Dr. SANDER (Titos Partisanen haben ihn zusammen mit anderen Bulkesern am 17. November 1944 im Akazienwald von Palanka erschossen) spielen die Kinder Volleyball auf dem heutigen Pausenhof der Schule.
INGE, der Liebling des Arztes, und ihr Mann Heinrich aus der Familie STEPHAN kommen schon lange Zeit immer mit dem Wunsch nach Maglic, die zwei Dörfer zu versöhnen, ihnen schöne Geschichten über das Dorf ihrer Kindheit zu erzählen und dazu beizutragen, dass die gegenwärtigen Bewohner stolz darauf sind hier zu wohnen.
Am Eingang zum alten Bulkeser Friedhof warten die RAPPs mit ihren Cousinen, die DEGENs aus der Zweiten Gasse und MAHLERs aus der Letzten Gasse. Da sitzt auch die Familie WERLE. In der Batschka sagt man, dass sie Bauern sind. Seit sie in das Lager gebracht wurden, waren sie nicht in ihrem Dorf, um entlang der Ackerfurchen zu gehen.
Unweit von ihnen stehen die Cousinen und Nachbarn - Handwerkers GRASSes, EISEMANNs, SCHMIDTs, WEISSENBACHs, LANGs, GREIFENSTEINSs, WAHLs, KENDLs, NEBERs, JELCHOS, ...
Sie warten, um den alten Friedhof gemeinsam zu betreten.
Bald beginnt das Gebet.
Das erste nach so vielen Jahren daheim in Bulkes.
Frau Maria BECK aus dem Haus Nr. 119 ist mit ihrer Tochter und ihrem Enkel Kristian im Bus.
Sie erlebte diesen Tag.
Ihre Augen glänzen. Vor Tränen ...
Während die Busse langsam fahren, verwandeln sich ihre zweiundneunzig Jahre in ein Mädchen, das auf den Straßen von Maglić - ihres Bulkes spielt.
In den Händen hält sie ein Buch, das sie selbst geschrieben hat. Sie möchte sich bei den Bewohnern ihres Dorfes bedanken, die geholfen haben, die kleine Gerda, Erna, Peter, Horst, Johanna, Margaretha, Maria, BERNHARDT und die anderen Kinder aus diesem Dorf nicht zu vergessen.
Während die Kinder aus der neuen Schule in Maglić Willkommenslieder sangen, dachte sie an die Lehrer Karl KENDL, Tobias POLSTER, Karl BRUNNER und an Jakob HOFFMANN.
Auch an Eugenie, Käthe, Julchen, Mathilde/Hilde und Erna BRUNNER und Katharina, die Kindergärtnerinnen des Bulkeser Kindergartens. Auch an ihre Helferin Elisabeth KLAUS.
Sie möchte, dass auch DUŠAN und Milan und Vinka und Dragan und Slobodan und Sladjana und Žarko ihr Buch und alle geschriebenen Bücher über die Menschen dieses schönen Dorfes vorlesen, … und all denjenigen, die sie mit einem aufrichtigen Willkommensgruß empfangen haben. Sie weiß, dass sie sich besser verstehen, wenn sie die Wahrheit über sie und ihr Golgatha erfahren.
Sie hat sich dazu entschlossen, ihr Buch DUŠAN zu schenken, dem Menschen, der sich darum bemüht hat, dass sie sich so fühlen, als ob sie in ihr Heim kamen, - dass sie wieder in ihr Dorf Bulkes kommen und ihre große Kirche betreten sowie für alle eine Gedenkfeier abhalten, die in den Lagern Jarek, Palanka, Rudolfsgnad, Gakowa, Vrdnik, Filipova, Kruschiwil, Mitrowitz, …, in den russischen Bergwerken Antrazit und Toschkowka, im serbischen Bor, dem Lager 1026, Sneschnoe, … geblieben sind.
Sie beten für jeden von ihnen, der auf dem Weg ohne Rückkehr geblieben ist.
Herr Heinrich HOFFMANN befand sich nicht unter den Reisenden im Bus. Mit Liebe und dem Versöhnungswunsch ist er mehrmals ins Dorf seiner Vorfahren gekommen. Zusammen mit seinen Freunden und Herrn Peter DEGEN, bekannt als WENDLs Peter, ein Mann von großem Herz, der sich bis zu seinem Lebensende darum bemühte, die zwei Völker aus dem Dorf mit zwei Namen zu versöhnen.
Sie fuhren auch an Haus Nr. 6 vorbei - dem Haus der Familie DEGEN, in dem Peter geboren ist.
Vielen tut es Leid, dass er nicht miterleben konnte, unter ihnen zu sein.
Sie irren sich natürlich.
Der Apostel sagt: " Die Liebe hält lange aus, sie ist gnädig ..." (I Kor, 13.4).
Erinnerung:
Während die Gäste der gegenwärtigen Maglic Bewohner die Kirche betreten, begleitet sie der unsichtbare Blick des Pfarrers Karl ELICKER auf all die toten Bulkeser, - die ausgestorbenen Familien, die plötzlich aus der Erinnerung hierher zurückkommen und jetzt in diesem Augenblick wie lebendig in Maglic gegenwärtig sind:
Neben ihm steht Frau Maria BAUER aus Haus Nr. 468. Sie ist froh, weil ihr lieber Ehemann Samuel BAUER aus Antrazit, aus dem fernen Russland nach dem Krieg zurückkam. Ihre Tochter, die kleine Magdalena, hält in Erinnerung an Jarek die Hände ihrer sechsjährigen Brüder, den Zwillingen Samuel und Heinrich, fest. Sie wollte sie behüten. Es gelang ihr nicht. Auch die Liebe der Mutter half dabei nicht, - die kleinen Zwillinge sind im Lager Jarek gestorben.
Fritz BECK HNr. 31 aus der Ersten Gasse traf sich heute ebenfalls mit den Seinen.
Auch Franz JUGENHEIMER HNr. 112 aus der Haupt Gasse ist mit den Seinen vereint. Er fand sie in Jarek. Nur auf die kleine Elisabeth warteten alle. Sie kam vom Norden der Batschka, aus dem Lager Gakovo.
Katarina BIEBER aus Nr. 448 kam vom Donezbecken.
Friedrich GLAS Junior HNr. 382 hat seine Bulkes-Bewohner seit seinem letzten Geburtstag am 9. April 1941 nicht gesehen (an diesem Tag wurde er im YU-Feldzug bei Nisch ermordet). Er kam aus Niš an.
Herr Chistian GERHOLDT HNr. 221 liebkost mit seinen schwieligen Landwirthänden den achtmonatigen GERHOLDT, Susanes Sohn. Sein jüngster Enkel war nie in Bulkes - er wurde im Lager Jarek (am 8.5.1945) geboren (und ist am 17.1.1946 in Jarek gestorben).
Auch Herr und Frau HOFFMANN, die sich mitsamt der sechsmonatigen Brigitte an den Händen halten, sind hier. Auch in Jarek konnten sie nicht ohne einander leben. Sie waren elf Tage (im Sterben) getrennt.
Herr Peter und Anna KLAUS stehen neben ihnen. Bei ihnen stehen die BIEBERs aus Haus Nr. 46,
dann die BINDERs aus Nr. 182 in der Hauptgasse.
Der kummererfüllte Herr HÄHNEL Peter HNr. 197 wartet auf seine Frau Elisabeth und seine Tochter Christine, die beide aus Antrazit kommen.
Apotheker Christian HARTMANN (wurde am 17. November 1944 von Titos Partisanen im Akazienwald von Palanka erschossen) HNr. 213 ist mit seiner liebsten Ehefrau Christine hier. Beide schauen liebevoll auf ihre einzige Tochter Helga. Sie warteten lange darauf, bis sie auf die Welt kam. Sie war erst fünf Jahre alt, als sie in das Lager Jarek gebracht wurde.
Alle wollen sich ausruhen.
Sie wissen, dass ihre Bulkeser wieder kommen und auch ihre Jüngsten mitbringen.
Sie warten mit dem Vorsitzenden ihrer Vereinigung, Herrn Franz aus dem Haus JUNG.
Herr Karl WEBER ist ihnen bei der Erkennung des Dorfes ihrer Vorfahren behilflich.
Während der Bus von der Haupt - Gasse in Richtung neues Maglićer Schwimmbad auf der Hutweide abbiegt, denkt das ehemalige Mädchen (Anm.: Die Autorin dieses Reiseberichts.), das in Maglić aufgewachsen ist, an sein heutiges Haus in Belgrad. Sie lebte im Bulkeser Haus Nr.142 von Heinrich und Katharina Hähnel."
[Rechts im Bild stehen auf der Freiterrasse des Schwimmbades von links nach rechts:
Frau BAUDERER; Krsto JOVANOVIČ, Direktor "komunalno", Mićas Direktor; Frau Anni JUNG; Radomir ZOTOVIĆ, Stellvertreter des Amtsvorstehers von Bački Petrovac; Franz JUNG, Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Bulkes und Dušan KNEZEVIĆ; aus dem Hintergrund leuchtet von der Sonne angestrahlt unsere schöne Kirche, - wie vor 60 Jahren.]
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"Sie ist heute froh. Einer ihrer Wünsche ist in Erfüllung gegangen.
Sie weiß, dass jener Augenblick nahe ist, an dem die Wahrheit über das ehemalige Bulkes und dessen Bewohner ans Licht kommen wird. Sie glaubt, dass sich dessen ehemalige und gegenwärtige Bewohner endlich versöhnen werden: die tüchtigen Leute aus Bulkes mit den tüchtigen Leuten aus Maglić.
Sie wird einige von ihnen durch Gotteshilfe kennen lernen. Sie wird sie darum bitten, sich gemeinsam darum zu bemühen, dass dieses Dorf dasselbe wird, wie es früher war: unser schönes Dorf Bulkes.
Auf diese Weise kann sie auch die Antwort auf die vielen Fragen finden, die sie sich selbst gestellt hat, als sie in den Maglićer Straßen spielte, das Alphabet bei der gutmütigen Lehrerin Nada lernte, zum Bahnhof ging, um Gäste abzuholen, Rad fuhr oder Wasser aus dem Wasserhahn im Zentrum bei der Kirche holte.
Dann fragte sie sich hin und wieder: wer sind die Leute, die in der schönen Bulkeser Kirche beteten, wer lebte in den Häusern?
Warum sind alle aus dem Dorf verschwunden?
Wie sahen die Augenblicke vor ihrer Abfahrt aus?
Wer hat sie von hier abgefahren?
Warum?
Sie fragte sich, wessen schöne Denkmäler sich auf dem Friedhof befinden?
Warum ist niemand da, der Blumen auf die Gräber legt?
In ihrer kindlichen Unbedenklichkeit wollte sie die Begrabenen erfreuen. Sie dachte, dass sie froh sind, wenn sie ihnen Veilchen schenkt.
Sie fragt sich inzwischen, wer ihre Nachfahren sind? Wo sie nun sind? Was sie über dieses schöne Dorf wissen?
Haben ihre Vorfahren sie gelehrt, dieses Dorf so zu lieben, wie sie es taten?
Lieben sie es wirklich?
Könnt ihr Bulkes - Maglić lieben?"
Anm.: Die Autorin hat die ersten Buchstaben in Bulkes/Maglić gelernt.
2. Reisebericht über die Gedenkfeier am Massengrab in Jarek am 16.September 2006
Abdruck aus den "Donaudeutschen Nachrichten" vom Oktober 2006
Rund 60 Jahre nach Auflösung des schrecklichen und ersten Vernichtungslagers für
deutsche Zivilisten im kommunistischen Jugoslawien, konnte am 16. September am Rande der Massengräber, mit 7000 Toten, eine Gedenkveranstaltung in Würde abgehalten werden.
Diese Gedenkveranstaltung kann als lang ersehnter Start für die Errichtung einer Gedenkstätte in Backi Jarak/Jarek betrachtet werden.
Der Weltdachverband der Donauschwaben und der Bundesverband der Landsmannschaft der Donauschwaben in Deutschland bemühen sich seit einigen Jahren darum nach in Gakovo und in Krusevlje auch in Backi Jarak eine würdige Gedenkstätte für unsere unschuldigen Opfer der ersten Nachkriegsjahre errichten zu können.
Durch intensive Gespräche ist es den Landsleuten Hans Supritz, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben, und Josef Jerger, Präsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben gelungen, Vertrauen in Jarak aufzubauen und eine schriftliche Zusage zur Errichtung einer Gedenkstätte zu erlangen.
Da es in diesem Jahr aus zeitlichen Gründen noch nicht zur Erstellung der Gedenkstätte kam, regte die HOG Bulkes an, im Rahmen ihres Besuches des ehemaligen Heimatortes auch in Jarek/Bački Jarak eine Gedenkfeier für die dort ruhenden 655 Männer Frauen und Kinder abzuhalten. Der Gedanke wurde von den Verantwortlichen des Referats Gedenkstätten, Josef Jerger und Hans Supritz angenommen und veranlasste sie, zu den nötigen Vorbereitungen vor Ort.
Buchstäblich bis zum letzten Tag vor der Veranstaltung wurde daran gearbeitet, dass das Gelände begehbar wurde und die Gedenkfeier in unmittelbarer Nähe der Massengräber, wo auch die Gedenkstätte entstehen wird, abgehalten werden konnte.
Neben den rund 120 Landsleuten aus Bulkes, Landsleuten aus Tscheb und in der Nähe von Jarak lebende Landsleute nahmen Vertreter der örtlichen Verwaltungen in Temerin, Bački Jarak und Maglić, Vertreter von Institutionen in Novi Sad und Vertreter deutscher Vereine in der Vojvodina an der Veranstaltung teil.
Als Vertreter des Weltdachverbandes der Donauschwaben und des Bundesverbandes der Landsmannschaft der Donauschwaben nahmen
deren Vorsitzende Jerger und Supritz teil und legten für alle dort ruhenden Donauschwaben einen Kranz nieder.
Die örtlichen Medien berichteten im Fernseen und im "Dnevnik" über die Gedenkfeier.
Ein ausführlicher Bericht erfolgt in der nächsten Folge der Donaudeutschen Nachrichten.
Bericht der "Mitteilungen" Nr.10, 15. Oktober 2006
Erste große Gedenkveranstaltung in Jarek
Die erste große Gedenkveranstaltung in Jarek, 60 Jahre nach der Auflösung dieses schrecklichen Vernichtungslagers für deutsche Zivilisten, hat in Würde und mit großem Erfolg am Rande der Massengräber in Jaruk stattgefunden.
Dies ist der lang ersehnte Start für die Errichtung einer Gedenkstätte in Jarek für unsere an die 7000 Toten, die dort in den Massengräbern würdelos verscharrt wurden.
Bei der Feier dieser 1 Gedenkveranstaltung am 16. September waren an die 200 Teilnehmer, davon allein aus der Ortsgemeinschaft Bulkes 120, die Vertreter der örtlichen Verwaltungen aus Temerin und Bački Jarak sowie Vertreter der Presse und des Fernsehens, die mittlerweile auch schon darüber berichteten, anwesend.
Der Weltdachverband und der Bundesverband der Landsnmnnschaft der Donaushwaben, die seit Jahren auf diesen Tag hingearbeitet haben, wurden von den Vorsitzcnden, Josef Jerger und Hans Supritz, vertreten.
Die Reisegruppe der Ortgemeinschaft
Bulkes, die in Jarek über 600 Tote Landsleute zu beklagen hat, wurden von Franz Jung und Karl Weber angeführt. Sie waren es auch, von denen die Initiative für diese Gedenkveranstaltung ausging. Verbunden damit haben die Landsleute aus Bulkes auch den Besuch in ihrem ehemaligen Heimatort, der heute Magli
ćc heißt. Der Gemeindevorsteher von Maglić nahm ebenso an der Gedenkveranstaltung teil. Auch darüber werden wir in der nächsten Ausgabe noch ausführlich berichten.
Die große Neusatzer Tageszeitung
"Dnevnik" brachte bereits am Tag nach der Veranstaltung einen sehr positiven großen Bericht mit Bild unter der Überschrift "Hände der Versöhnung bauen Brücken" (siehe unten und Kapitel
SRPSKO POGLAVLJE
über die Veranstaltung an den Massengräbern in Jarek.
"DNEVNIK, 3.STRANA - NOVI SAD - 17.9.2006"
"Ne tražimo nikakvu krivicu i krivce, ne trpimo da neko kaže Srbi su krivi, Nemci su krivi ..."
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Seder - Interview sa Hans SUPRITZOM, NOVI SAD - 18.9.2006
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Konferencija za štampu Hansa Supritza, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben in Deutschlend und Vizepräsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben u u Backom Jarku, 16. Septembra 2006.
Siehe:
SRPSKO POGLAVLJE
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Franz JUNG - Bački Jarak - 16.9.2006
Geehrte Ehrengäste,
meine Damen und Herren,
liebe Landsleute,
mit der freundlichen Zustimmung der Ortsverwaltung von Backi Jarak ist es uns nach über 60 Jahren erstmals möglich, hier an der Stelle wo unsere Familienangehörigen, Freunde und Verwandte ruhen, ihrer in Ehre zu gedenken.
Als Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Bulkes darf ich Sie alle herzlich begrüßen.
Gleichzeitig möchte ich es nicht versäumen den Mitgliedern der Ortsverwaltung (Mesna Zajednica Bački Jarak), dafür zu danken, dass wir heute hier sein dürfen.
Mein Dank geht auch an den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Donauschwaben, Herrn Hans Supritz und den Präsidenten des Weltdachverbandes der Donauschwaben für die vorbereitende Unterstützung zu dieser Gedenkfeier.
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Seiner Toten zu gedenken, ist für jedes Volk ein Akt der Ehre und der höchsten Sittlichkeit.
Pflicht der Lebenden, in diesem Falle der Überlebenden, ist es derer in Ehrfurcht zu gedenken, die eine grauenvolle Zeit nicht überlebten.
Wer sich von seinen Toten abwendet, verliert nicht nur einen Teil der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft.
Deswegen ehrt uns, dass wir an dieser Stelle, wo unsere Landsleute ruhen, mit Ihnen gemeinsam diese Gedenkfeier abhalten dürfen.
Bemerken darf ich, dass die höchste Zahl, der in den Jahren 1945 - 1946 in diesem Ort Verstorbenen, aus Bulkes stammten.
Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen hat über viele Menschen und Völker durch Verschleppung, Vertreibung, Entrechtung, Internierungen und Tod, Leid und Elend verbreitet.
Auch in dieser kleinen Region Europas haben unschuldige Menschen aller Nationalitäten für den Wahn anderer bezahlt.
Heute sieht die Bundesrepublik Deutschland uns Donauschwaben als Brückenbauer zu unserer ehemaligen Heimat und den hier lebenden Menschen.
Gerne haben wir diese Aufgabe angenommen und reichen die Hand zur Versöhnung, auch über die Gräber all unserer Toten hinweg.
Die Grundlage zu einer Völkerverständigung wurde bereits in der Charta der deutschen Heimatvertrieben gelegt, die 1950 in Stuttgart beschlossen wurde.
Darin ist festgeschrieben, dass die deutschen Heimatvertrieben auf Rache und Vergeltung für das ihnen angetane Unrecht verzichten und für ein friedliches, geeintes Europa mit aller Entschlossenheit eintreten werden, in dem in Zukunft alle Völker ohne Angst und Zwang leben können. Die Donauschwaben haben diese Charta mit unterzeichnet und stehen auch heute noch dazu!
Diese Brücken dürfen aber keine Einbahn bleiben, sie müssen aus beiden Seiten befahren und begangen werden. Erst dann gibt es eine echte Völkerverständigung.
Was noch vor wenigen Jahren undenkbar erschienen ist, wurde mehr und mehr zur Realität.
Donauschwaben und ihre einstigen Nachbarn, Menschen, die in dieser Region leben, begegnen sich verständnisvoll, und mit dem festen Willen, die von Freud und Leid geprägte Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten.
Zwei Weltkriege hinterließen in den Seelen der Menschen in Europa tiefe Narben. Für die Überlebenden grauenvoller Zeiten ist es wichtig, dass es Stätten der Erinnerungen gibt, an denen sie ihrer Toten in Würde gedenken können.
Für die nachfolgenden Generationen sollen diese Gedenkstätten Orte der Mahnung sein, dass sich solche Geschehnisse nicht mehr wiederholen mögen.
Wir hoffen, dass es möglich wird auch hier in Bački Jarak bald eine Gedenkstätte zu errichten. Wir sind überzeugt, daß der heutige Tag uns menschlich näher gebracht hat und wir auf dieser Basis zuversichtlich in die Zukunft schauen können!
Sie, meine Damen und Herren aus Bački Jarak, haben durch die Genehmigung zu dieser Gedenkfeier ein leuchtendes Beispiel gegeben.
Dafür nochmals unseren herzlichen Dank.
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Bački Jarak - 16.9.2006
Jareker Rede des Stellv.
Vorsitzenden der Teilgemeinde Temerin des multiethnischen Ortsverbandes
Temerin/Bački Jarak Nenad DUNOVIĆ
(Ansprache im serbischen Originaltext siehe
SRPSKO POGLAVLJE - 1)
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Sehr geehrte Freunde,
es erfüllt mich mit Zufriedenheit, Sie im Namen der Gemeinde
Temerin zu begrüßen und in unserer Gemeinde und Ortsverband willkommen
zu heißen.
Ich richte herzliche Willkommensgrüße an Sie, aber auch die
Entschuldigung von Herrn Stojan Tintor, dem Vorstand der Gemeinde
Temerin, der heute wegen nicht aufschiebbarer Verpflichtungen leider
nicht anwesend sein kann.
Ein Mensch ist ein Wesen ähnlich dem Baum, der Wurzeln schlägt
sowie Säfte aus dem Boden saugt, auf dem man geboren wurde, und wenn
man diesen Boden verlässt, trägt man in jeder Zelle seines Körpers ein
Stück voller Erinnerung und Heimweh. Ohne Rücksicht darauf, ob der
Mensch in der Ebene, am Flussufer bzw. an der Meeresküste, im hohen
Gebirge, auf ewigem Schnee und Eis, in der Wüste oder im Urwald
geboren wurde, liebt er den Ort, in dem er zur Welt kam. Er liebt und
erinnert sich für immer an den Wind im Gesicht, den Geruch des
Morgens, des Tages und der Nacht, er hört gerne die Töne seiner
Heimat, und über allem verehrt er die Heiligtümer und die heiligen
Orte seines Volkes nach dem Verlassen der Heimat. Glauben Sie mir, ich
verstehe vollkommen die Angehörigen der deutschen Volksgruppe, die als
Folge der Kriegsereignisse dieses Unglück erlebt haben, ihre
Heimatorte verlassen zu müssen.
Leider ist die Geschichte der Menschheit in der Tat eine
Geschichte der Kriege, der Zerstörung und des Sterbens. In der
Gesamtheit sind die zahlreichsten Opfer einfache friedliebende
Menschen, die von Geburt an nur den einzigen Wunsch hegen, ihr Leben
in Frieden zu verbringen, Kinder zu zeugen sowie sie zu Erwachsenen zu
erziehen und all das in ihrem eigenen Geburtsort. Aber oft werden
Menschen - geleitet von mehr oder minder guten Ideen, ohne Rücksicht
auf Religion, Nationalität oder Hautfarbe - Soldaten, die immer und
pflichtgemäß den einfachen Leuten die Grundrechte entreißen, mit dem
Säbel Geschichte schreiben und dann selbst verschwinden, wobei sie
leider unzählige Friedliebende mit in den Tod ziehen.
Ich glaube, dass die Zeiten vorbei sind, als man für das Böse
starb und dass in Zukunft ein Leben im Guten vor uns liegt. Ebenso
glaube ich, dass diese heutige Begegnung eines de Schwungräder im
grossen Prozess der Schaffung herzlicher und freundschaftlicher
Zukunft sein wird. Sie werden mir beipflichten, wenn ich sage, dass es
sich lohnt, für die Ideen der gegenseitigen Verehrung und Ansehens
unserer Völker zu leben und einzustehen.
Liebe Freunde, ich bin sicher, dass die Gemeinde Temerin und der
Ortsverband Jarek künftig gerne die Gastfreundschaft für solche und
ähnliche Besuche anbieten wird, u.zw. - wie ich glaube - zur
beiderseitigen Zufriedenheit.
Im Namen der Freundschaft zwischen unseren Völkern und im Namen
irdischer und himmlischer Gerechtigkeit für jeden Menschen begrüße ich
Sie herzlich. Vielen Dank und ein Hoch (auf die Besucher).
Übersetzung aus dem Serbischen ins Deutsche: Herbert Heintz, Rüsselsheim, vormals Neusatz/Werbass
Die Bulkeserin Ilse BEYER, geb. Weber vor dem symbolischen Grabhügel mit dem Gedenkkreuz für unsere toten Angehörigen.
Rückblick um 8 Jahre zum 25. Bulkeser Heimatreffen am 30. und 31.5.1998 auf
Bernd Sanders FESTREDE
"Liebe Festgemeinde, Gäste, Bulkeser,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Landsleute,
zum dritten Mal habe ich die Ehre hier eine Festrede zu halten....doch jedes Mal steigern sich die Erwartungen, Eure sowie auch meine. Und zu diesem besonderen Jubiläum, stelle ich mir die Frage....was bringe ich als Wort, das zu gleicher Zeit reizvoll, geschmackvoll, sinnvoll, humorvoll und greifbar ist,....das Euch so rührt zu sagen, packen wir's an!
Ein guter Redner macht immer das Folgende:
1) Sag Ihnen was Sie hören werden
2) Sage es Ihnen
3) Sage Ihnen was Sie gehört haben
Also möchte ich in dieser Festrede etwas unkonventionell und locker ein Thema, dass es in Bulkes gar nicht gab, anschneiden; einen speziellen Gast einladen, mir hierbei zu helfen, um dann in einem zukunfts-orientierten Fazit mit einigen Aufmunterungen zu schliessen.
Das Thema über was ich sprechen möchte, das es in Bulkes nicht gab, heißt nämlich
"Brücken".
Bulkes, ein stiller Ort der panonischen Ebene, hatte keine Brücken nötig. Da ich ein Freund der Berge bin, war ich immer verwundert, dass meinem Kendl's Opa die absoluteste flache Ebene gefiel! So schön...wie daheim! Also keine Brücken nötig!
Brücken werden gebaut und dienen der Verbindung von Ufern, Kontinenten, Städten und Völkern. Symbolischer Brückenbau ist, wenn durch Kompromisse unterschiedliche Auffassungen einander näher gebracht werden sollen, oder Aussöhnungen angestrebt werden sollen. Im Prinz-Eugen-Lied wird besungen der Brückenbau zur Belagerung der Festung Peterwardein durch seine Armee bei der Vertreibung der Türken aus der Batschka. Der Volksmund spricht auch bei bevorstehenden örtlichen Veränderungen, Umzug in eine andere Stadt oder Auswanderung in ein anderes Land, vom Abbrechen aller Brücken hinter dir und nach vorne schauen.
Doch jeder Bulkeser, der dort geboren ist, baute irgendwann in den letzten 50 Jahren, in Gedanken Brücken von der neuen Heimat dorthin wo einst seine Wiege stand; sein Zuhause war. Ich bin mir gewiß, das unsere Eltern und Großeltern auf diesen Brücken in Gedanken oft hin und zurück gingen ... unter anderem auch, aus der reichen Lebenserfahrung von damals, ihr Heute zu gründen.
So habe ich aus meiner Lebenserfahrung versucht, solche Brücken zu Bulkes zu schlagen. Ich verdiene mein täglich Brot als Unternehmensberater. Ich reise in der ganzen Welt herum und helfe, unter anderem, Unternehmen ihre Werte und Wertvorstellungen zu definieren. Werte und Wertvorstellungen gab es auch damals in Bulkes, nur nannte man sie nicht so, obwohl man danach handelte. Um den Vergleich von damals zu Führungsstrukturen moderner Grossunternehmen von heute aufzuzeigen und diese beweisen zu können, möchte ich jetzt gemeinsam mit meiner Assistentin eine Brücke schlagen.
Mir helfen wird Maria Beck (Senior) aus Nürnberg.
Maria, helfe mir doch bitte einige Unternehmenswerte wie, die Gebote der Zusammenarbeit und Führung, die heute sehr wichtig sind, durch deine Erlebnisse als Bulkeserin zu unterstützen:
1) Partnerschaftliches Vertrauen entwickeln.
Gute Teams bringen nicht nur gute Leistung - sie bringen zudem mehr Spaß und fördern das Engagement, wenn sich der Einzelne sicher fühlt. Ohne Vertrauen ist das unmöglich. Der gemeinsame Erfolg schweißt die Grupppe zusammen. Wenn wir's nicht schaffen, Mißtrauen und Kontrolle durch Vertrauen zu ersetzen, wird es weder Erfolge noch eine neue Unternehmenskultur geben.
Damals konnte man sich auf das Wort eines Menschen verlassen.
Mein Uhrgroßvater Kendl sagte zu seiner Zeit, bei Geschäftsabwicklungen:
"Wenn mein Wort nicht gut genug ist, was soll
meine Handschrift besser sein?"
2) Persönliche Veränderungsbereitschaft steigern,
Barrieren einreißen! Vor allem im Kopf: "Geht nicht, gibt's nicht, oder nicht mehr." Es geht nur darum, wie wir's zum Laufen bringen.
Starten Sie dort, wo es weh tut. Bei sich selbst. Warten Sie nicht auf Weisung von oben. Fangen Sie an! Sie wollten doch manchmal "alles" verändern. Tun Sie's. Jetzt!
Damals liefen keine Kurse um Jugendliche zu motivieren. Damals war man schon als Kind mit hineingenommen in den Arbeitsablauf des Tages...die Versorgungsproduktion lief in jedem Hause über die Bühne. Und derselbe Urgroßvater viele Jahre später, wie vielleicht auch in Euren Familien, begab sich im Jahre 1904 auf eine 3-Wochen Schifffahrt nach Amerika, um dort in Cleveland Geld zu verdienen. Seine Frau und zwei kleine Kinder blieben in Bulkes, und er kam nach 3 Jahren zurück und baute dann seine Werkstatt.
3) Erfolgreiche Zusammenarbeit gestalten.
Egal, wie toll wir als Einzelne sind - ohne Zusammenarbeit kann das Ergebnis nicht sein, was es soll: wirklich überzeugend...jeder, den wir fragen, kann uns weiterbringen. Diese Zusammenarbeit braucht keinen formellen Rahmen - nur passieren muß es. Ob wir das als "Teamwork" bezeichnen oder als Arbeitsgruppe, ist völlig egal. Entscheidend ist die Art, wie wir uns in diesen Gruppen verhalten.
Damals konnten Bauernhöfe nur mit vollem Einsatz der Familie, sowie den Knechten und Mägden, Pferden und Wagen richtig funktionieren. In der Ernte war noch die vertrauensvolle Heranziehung des Schlossers mit seiner großen Dreschmaschine nötig. In der Zeit des "Kukrutzbrechens" halfen abends teilweise Frauen aus
der Nachbarschaft beim "Kukrutzstrippen" daheim im Hof.
4) Gemeinsame Lernchancen nutzen.
Lernen hat nicht nur mit Seminaren zu tun, sondern auch mit offenen Augen und Ohren. Lernen können wir jeden Tag. Aus der Praxis, aus eigenen Fehlern, aus Erfolgen. Machen Sie Fehler. Es ist Ihr gutes Recht. Aber jeden Fehler nur einmal. Versprochen? Sprechen Sie Schwachstellen ganz offen an. Aber vielleicht nicht gleich in aller Öffentlichkeit. Recht geben. Nicht nur Recht haben wollen. "Spicken" Sie, wo Sie können! Wir müssen nur das Lernen wieder lernen.
Damals verlief das Lernen weniger auf theoretischer Basis, dafür aber im praktischen Miteinanderarbeiten. In den Monaten, während viele der Bulkeser Männer nach Belgrad und Sarajevo als Handwerker zur Arbeit gingen, wurden die Gelegenheiten genutzt, um für die Töchter Aussteuer vorzubereiten. Großmütter, Mütter und Töchter nähten, stickten, strickten und häckelten. Außerdem ging kein Mädchen von Bulkes ohne die wichtigen Versorgungskenntnisse in den Ehestand. Und beim "Moje gehen" wurde das Bewußtsein vom "Goldenen Boden des Handwerks' durch Erzählungen und durch eigenes Vorbild eingeprägt.
5) Unternehmerische Freiräume ausschöpfen.
Ohne die Freiheit zur Veränderung werden wir nichts bewegen. Weder uns selbst noch unser Umfeld, nicht die Arbeitsprozesse, nicht die Innovationskraft und schon gar nicht die Arbeits- und Entscheidungsfreude. Geben Sie Entscheidungsfreiheit! Fördern Sie "Freischwimmer"! Fällen Sie keine Entscheidungen. Lassen Sie sie wachsen. Aber "Das haben wir hier noch nie so gemacht". Wenn Sie das hören, sind Sie wahrscheinlich auf dem richtigen Weg.
Damals wurden Geschäfte entwickelt, aus den jeweiligen Bedürfnissen zum notwendigen Lebenserwerb der Einwohner. In Bulkes gab es zum Beispiel:
- das Batschkermacher Handwerk
- das Strickerschuh Handwerk
- das Wagner Handwerk
- das Holzklumpen Handwerk - beim Schuleingang wo man sie auszog, war das Wiederfinden enorm schwierig, denn sie sahen alle gleich aus
- das Fassbinder Handwerk
- die Schnappsbrennerei
- Franz Jung's Hopfentrocknerei
- die Hanffabricken - die Kinder konnten sogar auf den, in die Grundlöcher zum gären eingelegten Bündel, schwimmen lernen
- und viele andere
Nun lasst mich, liebe Festgemeinde, zu dem dritten Teil meiner Ansprache kommen.... nämlich meine Herausforderung an uns alle. Jene die mich kennen, sehen in mir einen Befürworter der "Warum - nicht - Lehre". Während ich versuchte über Brücken zu sprechen, und auch mit Maria diese Brücken Euch zu schildern, birgt diese Botschaft eine gewisse Dringlichkeit in sich, ein erweitertes Bewußtsein für Fragen, die mich und auch hoffentlich Euch stark beschäftigen.
Alle Brücken dienen und verbinden in die Zukunft, mit dem Blick zu neuen Ufern.
Der Bulkeser Brückenbau - und bei so vielen guten Bulkeser Handwerksleuten wird das doch gelingen - sollte zur Verständigung mit Backi Maglic führen können. Alle Bulkeser, die nach der Vertreibung geboren wurden, also die erste Nachfolgegeneration, braucht dringend eine Bulkes-Perspektive.
Ich bedanke mich tiefstens für diese Gelegenheiten die Bulkeser Festreden zu halten, denn dadurch habt Ihr mir die Gelegenheit gegeben meine Perspektive zu Bulkes zu entwickeln.
Jugend beschäftigt sich instinktiv mit der Zeit, die vor Ihr liegt. Natürlich ist auch, dass sich die Bulkeser auf den Treffen nur mit sich selber und ihrer erlebten Vergangenheit in Bulkes beschäftigen. Vielleicht ist dies der Grund, warum die heute 40-50 Jährigen, die erste nicht in Bulkes geborene Generation, das Interesse an den Treffen verlor: Perspektivlosigkeit?
Dabei hat Bulkes eine Zukunft, man muß nur nach vorne schauen. Maglic ist die Fortschreibung von Bulkes, zwar mit anderem Inhalt, aber ohne Bulkes gäbe es doch heute kein Maglic.
Erlauben Sie mir als Fazit folgende 10 praktische Angebote:
1) Die Fortschreibung "Bulkes-Maglic" ist dokumentiert in dem
Begehren eine Ortsmonographie zu erstellen der heutigen Bewohner
von Maglic im Jahre 1987. Vielleicht wollen die auch noch mehr von
Bulkes erfahren als in ihrem Buch steht? Dass sie aus Heimweh dem
Ort den jetztigen Namen, einen in der alten Heimat bekannten
Hausberg, gegeben haben, trifft auf menschliches Verständnis. Die provisorische Befreiungsregierung der Tito-Partisanen hat 1944 das Schicksal Bulkes besiegelt. Die heutigen Bewohner von Maglic haben uns also nicht vertrieben.
Heute können wir Friedensgedanken auf dieser Brücke auf den Weg bringen und die neue Patenschaftsepoche, von der OB Peter Jakob sprach - eine Epoche der Aussöhnung nämlich, und eine Patenschaft der Völkerverständigung, beginnen lassen.
2) Wenn schließlich das heutige Jugoslawien politisch wieder zur Ruhe gekommen ist, kann OB Jakob die Bulkes-Brücke der Verständigung nach Maglic überqueren, und die nach dem Krieg in Westeuropa so erfolgreich praktizierte Städtepartnerschaft von Kirchheim nach Maglic tragen.
3) Wenn auch der Ort heute nach der Neubesiedlung sein Aussehen gegenüber der Zeit der Vertreibung verändert hat, auch wenn wir nicht vertrieben worden wären, hätte sich wohl Bulkes bis heute auch verändert.
So steht heute wenigstens die Kirche noch. In Tscherwenka wurden beide Kirchen abgerissen um Baumaterial für Neubauten zu haben. Was für eine Zukunftsperspektive wäre es, wenn sich Bulkes und Maglic gemeinsam das Ziel setzen würden, die Kirche zu erhalten - als ein Denkmal für Bulkes in Maglic.
4) Wenn wir schon über Denkmäler sprechen, wäre es doch passend wenn eine Tafel in oder an der Kirche angebracht würde, die an die Ansiedlung des Ortes erinnert.
5) Bei vielen Bulkesern sind die Gedanken über die Vertreibung noch nicht abgeklungen ... und mit Recht... aber wenn man sich erst langsam an den Versöhnungsgedanken gewöhnt, und sich bereit erklärt, erste Schritte zu versuchen, dann gibt es viele Möglichkeiten.
Zum Beispiel, unsere Enkelkinder, die noch weniger Beziehung zu Bulkes haben, könnten durch ein Kinderaustausch, oder durch eine Einladung der Maglic Kinder über die Sommerferien in die Heime der Bulkeser, ein persönliches Verhältnis zu Bulkes-Maglic entwickeln ...und das, solange Ihre Großeltern noch selbst serbisch sprechen.
6) Einige Bulkeser waren schon zu Besuch in Maglic. So
werden auch wir, meine Mutter, meine Schwester, meine Frau und
ich, morgen früh von Frankfurt nach Belgrad fliegen. Mama wollte
uns diesen Besuch in die alte Heimat als Geschenk geben, und wir
fahren gerne mit. Urgroßvater Kendl, den ich ja vorhin in meiner
Ansprache erwähnte, blieb nach dem Krieg in Jugoslawien und ist
dort in den 60er Jahren gestorben. Wir werden auch sein Grab in
Palanka suchen.
7) Mama wird auch eine weitere Brücke neu erleben. Letztes Jahr, nach mehr als 50 Jahren, erhielt Sie einen Brief von Ihrer jugoslawischen Freundin aus Ihrer Jugendzeit in Bulkes. Nach Brief und Telefonat werden sich morgen nach über 50 Jahren, Mama und die Tochter des Bulkeser Notars, Vera (geborene) Velkovitch, wieder begrüßen.
8) Erfolgreiche Vereine, darunter auch Heimatausschüsse, werden ständig zu ihrer Erhaltung und Erneuerung von örtlichen Netzwerken finanziert, von Interessengruppen und deren Nachwuchs. Ich wünsche, daß viele Bulkeser sich das zu Herzen nehmen und in den Gegenden, wo viele Bulkeser leben, einen stärkeren Draht zum Heimatausschuss entwickeln. Die Bulkeser-Stube sollte ja auch dort leben. Die "Bulkeser Heimatzeitung" (der Rundbrief) braucht auch mehr Unterstützung, damit eines Tages nicht die Todesanzeigen überwiegen.
9) An diesen Treffen sollten auch die vielen Talente und Arbeiten
der Bulkeser anerkannt und miterlebt werden. Es gibt historische
Dokumentationen, es gibt Ahnenforschung, es gibt Diplomarbeiten... ich
werde die Nahmen nicht nennen, denn Ihr kennt Sie ja... es gibt so
vieles, daß man hier als lebendige Perspektive für die Zukunft
zelebrieren, weitergeben und erwecken kann.
10) In zwei Jahren stehen wir beim nächsten Treffen im Jahre 2000. Wäre es nicht ein Ziel, wenn es die politische Lage ermöglicht, eine Busfahrt zu planen, mit der guten Hoffnung, daß viele Bulkeser nochmals die Gelegenheit hätten, die alte Heimat zu sehen, und diese Versöhnung mitzuerleben?
Liebe Bulkeser, liebe Festgemeinde,
... uns geht es allen heute sehr gut
und wir dürfen folgende Worte der Zukunft uns zu Herzen nehmen:
aufgenommen, mitbeteiligt, anpassungsfähig, vertrauenswürdig,
risikobereit, dankbar..... jedes Problem ist ein Angebot zur
Veränderung.
Dieser Aufruf geht uns alle ganz persönlich an. Für
Ihre Kinder und Enkelkinder sind Sie ganz persönlich verantwortlich.
Sie sind zugleich die Tür ins Unternehmen " Zukunft Bulkes ".
Wenn Sie jetzt nichts tun, fällt die Tür vielleicht zu, und der
Brückenschlag bleibt nur ein unvollendeter Plan.
Nehmen wir die Herausforderung an! Die Zeit dazu ist reif. Packen wir's an!
So das war's. Jetzt sind Sie dran!"
Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche: Susanne Stephan-Kabierske, Karlsruhe
In den Tagen nach dieser Festrede reiste Bernd Sander nach Serbien, um seinen in Kircheim/Teck vorgetragenen Ideen in Maglic, dem ehemaligen Bulkes, Taten folgen zu lassen.
Das Ergebnis seiner Besprechungen trug er auf dem Rückweg in Deutschland seinen Freunden und Bekannten vor.
Diese stimmten im Grundsatz mit seinen Vorstellungen überein und beschlossen, in Zusammenarbeit mit unserer Heimatortsgemeinschaft / HOG einen Spendenaufruf an die Bulkeser zur Instandsetzung der Bulkeser Kirche und der Errichtung einer Gedenktafel auf dem Friedhof zu verfassen.
Der Spendenaufruf für die geplanten Baumassnahmen im ehemalgigen Bulkes sollte der Versöhnung zwischen den ehemaligen deutschen Bewohnern und den heutigen Serben dienen, davon war eine kleine Minderheit der Bulkeser überzeugt.
Das Vorhaben ist aus vielerlei Gründen gescheitert.
Entscheidend war wohl, dass nicht von Anfang an versucht worden ist, diese Aktion unter der Federführung unserer HOG zu verwirklichen.
Was allerdings auch keine Garantie für ein positives Ergebnis gewesen wäre, weil es 1998 für das mehrheitlich noch sehr unterentwickelte Umdenken der Bulkeser vom Feind- zum Freund-Verhältnis - insbesonders in unserer HOG - noch viel zu früh war.
Erst als ab 2004 Schiffs- und Busreisen des Ev.Hilfskomitees und einiger HOGs in die Batschka veranstaltet wurden, wagten auch die Bulkeser 2006 eine erste Busreise nach Maglic, die zu einem vollen Erfolg wurde.
Der Vollständigkeit halber wird hier der Text des verhinderten SPENDENAUFRUDS der Internet-Leserschaft bekannt gegeben.
S P E N D E N A U F R U F:
Nachdruck mit Ergänzungen
"Liebe Bulkeser Landsleute!
Die Unterzeichneten wenden sich heute mit einer ganz besonderen Bitte an alle Bulkeser, deren Angehörigen und Freunde.
Es dürfte allseits bekannt sein, daß unsere Bulkeser Kirche jahrzehntelang zweckentfremdet als Lagerhalle diente und nun einsturzgefährdet ist. In der Vergangenheit wurden zwei Balkenzwischendecken mit Mauerpfeilern eingezogen. Zwischenzeitlich hat die jetzige Eigentümerin, die örtliche pravoslawische Kirche mit
dem Rückbau des Raumes und der gleichzeitigen Renovierung des
Kircheninnenraumes vom Kuppelgewölbe aus nach unten begonnen.
Jetzt stehen als vordringliche Arbeiten an:
· Rohbauarbeiten im Inneren der Kirche
· Einbau neuer Fenster
· Elektroinstallation
· Sanierungsarbeiten im Turmbereich
· Dachinstandsetzung
Die dafür erforderlichen Mittel in Höhe von 30 700,-DM sollen
aufgebracht werden von Menschen guten Willens: Einwohnern
von Maglic, der S.P.K. (Serbo. Pravosl. Kirche) unter der Leitung
des Priesters Jovic Mojsiljovic und von spendenbereiten Bulkeser
Landsleuten.
Der Gesamtplan der Restaurierung enthält folgende weitere (wünschenswerte) Maßnahmen:
· Vollständige Erneuerung des Kirchendaches: Austausch der
· Dachdeckung und Einbau neuer Rinnen
· Neue Blitzableiter
· Abdichtung der Kirchen-Außenwandfundamente gegen aufsteigende Feuchtigkeit und Maßnahmen gegen Absetzungen Austrocknung der Kirchenaußenwände
· Vollständige Malerarbeiten im Innenraum der Kirche
· Restaurierung der Fassadenwände
· Einbau einer Erdgasheizung im Kirchenraum
· Wasserinstallation
· Einbau einer elektrischen Glockenanlage
· Ausgestaltung/Einbau eines Altares
· Beschaffung und Einbau neuer Lüster/Lampen
· Elektrische Beschallung des Kirchenraumes (Lautsprecheranlage)
Diese kompletten Maßnahmen des Wunschprogrammes werden auf ca 200 000.-DM geschätzt.
Zur Durchführung von Baumaßnahmen wurde zwischenzeitlich aufgrund Bernd Sanders Initiative ein vorläufiger Leitungsausschuß für einen Unterstützungsfond gebildet, dessen endgültiger Leitungsausschuß sich wie folgt zusammensetzen soll:
3 Mitglieder des Maglicer Kirchengemeinderats,
3 Mitglieder aus der Bulkeser Ortsgemeinschaft und
l Mitglied mit baufachlicher Qualifikation (gedacht ist an
den örtlichen Denkmalschützer).
Nach der vom vorläufigen Leitungsaussch verfassten behördlich genehmigten Satzung vom 7.11.1998 ist sichergestellt, daß alle Spenden, die für den Unterstützungsfond eingezahlt werden, zweckgebunden sind, d.h. auschließlich zur Kirchenrenovierung Verwendung finden. Der Leitungsausschuß wird alle 3 Monate - wenn nötig auch öfters - einen schriftlichen Bericht über die durchgeführten Maßnahmen geben und die Abrechnung der einbezahlten Gelder vorlegen.
Allen Spendern wird für die Einzahlung eine Spendenbescheinigung ausgestellt. Für Spenden über 100,-DM wird zusätzlich ein Dankschreiben übermittelt.
Im Rahmen der Renovierungsarbeiten im Kirchen-Innenraum wird die beschädigte Gedenktafel für die gefallenen Bulkeser Soldaten des Ersten Weltkrieges instandgesetzt und an der ursprünglichen Stelle wieder eingebaut.
Als Zeichen des guten Willens haben die Verantwortlichen der Kirchengemeinde Maglic der Bulkeser Ortsgemeinschaft / HOG eine der beiden kupfernen Kunstvasen aus dem Altarbereich der Kirche (s.Heimatbuch Seite 189: links und rechts über den beiden Wandsäulen) zur Aufstellung in der Heimatstube geschenkt. Die Kunstvase befindet sich seit der erteilten Ausfuhrgenehmigung bereits in Deutschland.
(Anm.: Die Vase befand sich zunächst im Hause von Ingeborg und Heinrich Stephan in Karlsruhe - weil die HOG eine Übernahme ablehnte. Erst Jahre danach - als der Zorn verraucht war - ist die Vase in Kirchheim Teck in der Bulkeser Heimatstube aufgenommen worden. Allerdings war sie im Keller abgestellt, als serbische Besucher der Heimatstube (Familie Pilipovic) sich danach erkundigten.)
Gleichzeitig hat auch die politische Gemeinde Maglic auf Antrag von Bulkesern die Erneuerung und Erhaltung des alten Friedhofs in der Form eines neu anzulegenden Gedenkparks beschlossen und eine Architektin mit der Ausarbeitung entsprechender Entwürfe beauftragt.
In diesem Gedenkpark sollen noch vorhandene Grabsteine und eine Gedenktafel über die Ansiedlung von Bulkes 1786 bis zur Internierung und Vertreibung der Bulkeser 1945 aufgestellt werden. Über die Formulierung des Tafel-Textes wird noch zu sprechen sein.
(Anm.: Die Gedenktafel wurde auf dem letzten Bulkeser Friedhof mit Spendengeldern der Bulkeser von der Ortsverwaltung Maglic errichtet und 2008 eingeweiht. Siehe Heinrich Hoffmanns Bericht Reise der Erinnerung 2008).
In diesem Zusammenhang möchten wir mitteilen, daß weit über 100 Grabsteine in einem Wald bei Peterwatz lagern, die zurückgeführt und im Gedenkpark des Bulkeser Friedhofes wieder aufgestellt werden sollen.
Übrigens, - als ein Bindeglied zu Maglic füngiert der in Peterwatz verheiratete Bulkeser Fritz Werle, der an den vorausgegangenen Verhandlungen Bernd Sanders im Maglicer Rathaus beteiligt war.
(Anm.: Am 15.12.1998 teilte der damalige HOG-Vorsitzende Franz Jung mit, dass nach einem Gespräch Karl Webers mit Fritz Werle Letzterer darum gebetn hatte, seinen Namen in der für den Versand vorgesehenen Fassung des SPENDENAUFRUFS nicht zu nennen.)
Liebe Bulkeser, den Unterzeichneten ist bewußt, daß es viele Vorbehalte gegen eine Unterstützung der beiden genannten Maßnahmen gibt.
Es sei aber darauf hingewiesen, daß von den jetzigen Maglic-Bewohnern viel Arbeitsaufwand zur Erhaltung des örtlichen Kulturdenkmals "Kirche" geleistet wird und größtes Interesse an der Renovierung des alten Bulkeser Friedhofs besteht.
So heißt es in der Schenkungsurkunde für die Kunstvase:
"...so wünschen wir, daß wir ins neue Jahrhundert eingehen mit neuen und alten Freunden, die zusammengehalten werden durch die beidseitige Liebe zu Maglic und Bulkes."
In dieser Liebe zu Bulkes rufen wir deshalb alle Bulkeser auf zu Spenden für die Renovierung der Kirche und des Friedhofs. Wir sollten damit beitragen zur bleibenden Erhaltung des Kirchen-Raumes, in dem wir getauft, konfirmiert und getraut wurden,
und unseren Vorfahren auf dem Friefhof zu einer würdig wiederhergestellten Ruhestätte verhelfen.
Mit Eurer Hilfe könnte somit unseren Kindern und Enkelkindern zur Erinnerung das erhalten bleiben, was ihre Vorfahren einst errichtet haben.
Spendenadresse / Empfänger:
Bulkeser Heimatausschuß Kreissparkasse Kirchheim/Teck, BLZ 61150020, Konto Nr.5633p425 Verwendungszweck: "Bulkeser Kirche und Friedhof"
(oder nur Kirche, oder nur Friedhof)
Im Dezember 1998
Peter Degen, Seevethal
Ph. Harfmann, Kaufering
H. Hoffmann, Kirchheim
H. Stephan, Karlsruhe
PS.:
Die bereits (von Bernd Sander in Maglic) ausgehandelten Dokumente über die begonnenen Aktivitäten zwischen den verantwortlichen Maglicern und Bulkesern können bei Heinrich Stephan, Postweg 32a 76187 Karlsruhe, T.0721-757267 angefordert werden.
Über die Genehmigung zur kostenlosen Übergabe der Bulkeser Original-Kirchenbücher (bzw. der vollständigen Kopien) wird zur Zeit verhandelt."
(Anm.: Der Text des Spendenaufrufes wurde von Philipp HARFMANN verfasst.)
Heinrich Stephan, Juli 2010
Professor Zoran ŽILETIĆ Belgrad
Kultur des Erinnerns unter der Lupe des Zweifels
Anläßlich der Zurückziehung polnischer Exponate aus der Berliner Ausstellung
"Erzwungene Wege, Zufluchtsorte und Pogrome im Europa"
des 20. Jhr.
Das europäische 20. Jhr. wird als das Jhr. der Zwangsumsiedlungen von Millionen Menschen in die Geschichte eingehen. Verfolgungen dieser Art gab es seit jeher nicht nur in Europa, aber nie in diesem Umfang und solcher Häufigkeit. Dabei hat das 20 Jhr. die technischen und sozialen Bedingungen für diese Art von Gewalt angeboten. Enorm ist nämlich die Anhebung der Beweglichkeit dank der Eisenbahn und vor allem die Möglichkeit der Manipulation von Massen. Mittel für Letzteres boten in bedrohlicher Weise populistische Ideologien von hochgradiger Ausschliesslichkeit - die ältere unter dem Schutzzeichen des Sowjetsterns und die jüngere mit dem Hakenkreuzsymbol -‚ alles in der Uberzeugung, dass das Wohl eines Staates vor allem durch seine ethnische und Klasseneinheit sowie sein Territorium gesichert wird.
Es gab aber auch vereinbarte Verbannungen beginnend 1923 unter dem Schutze des Völkerbundes. Mehr als 1 Million Griechen wurden damals gezwungen, ihre ursprüngliche Heimat in Kleinasien und im Pontus zu verlassen, weil es Griechenland nicht gelang, sein altes Territorium für immer zu sichern, genau so wie dies Serbien mit Kosovo und Metohija nicht schaffte.
Parallel dazu verlieren 355000 Türken ihre angestammte Heimat im neugeschaffenen Griechenland durch Ausweisung in die Türkei. Die besessene Beeinflussung des kleinen Mannes in traditioneller Uberzeugung, dass beiden Seiten, im neuen Griechenland und in der nationalen - und nicht mehr feudalen - Türkei Atatürks, der Weg geöffnet wird zur Homogenisierung ihrer Bevölkerung auf der Grundlage des damals noch viel versprechenden Nationalismus.
Später gab es zwischen verfeindeten Parteien vereinbarte Vertreibungen, so z.B. die im Vertrag von Karadjordje zwischen Tudjman und Milosevic im Jahr 1995 beschlossene Umsiedlung der Serben aus der Kraina nach Serbien. Alles im Unbewußtsein dessen, dass das Recht jedes Einzelnen auf Heimat, Landstrich und Siedlung, wo er und seine Ahnen gelebt haben, zu den Grundrechten zählt. An die Gäste bei der Eröffnung der Ausstellung gewandt, hat der bedeutende ungarische Schriftsteller György (Georg) Konrad die Bedeutung der Lebensräume für die mentale und soziale Stabilität des Menschen herausgestellt und diese dabei als entscheidende Dimension des menschlichen Lebens bezeichnet. Erinnerungen sind an den Raum gebunden. unsere Vergangenheit und ihre Bühne stehen im Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit. Der Verlust dieser Bühne ist ein Raub meiner Vergangenheit. Eine Zwangsvetreibung aus dem
Heimatort ist halber Mord.
Legale oder illegale Umsiedlungen nationaler oder ethnischer Gruppen hat die internationale Gemeinschaft bis 1948 jedoch nicht verurteilt.
Die Ausstellung thematisiert überdies die Vertreibung der Armenier aus der Türkei 1915 - 16, die Ausweisung der Juden als Vorzeichen des Holocaust nach dem Siege der Hitlerschen NSDAP im März 1933, Umsiedlungen, Vertreibungen und Verschleppungen unter Stalin und Hitler in Polen, der Ukraine und den baltischen Ländern von Aug. 1939 bis Juni 1941. Gegenstand der bedeutenden Ausstellung sind auch die Umsiedlung der Bewohner aus Karelien (1939/40 - 1944/47), Ereignisse in Südtirol und Vertreibung der Italiener aus TitoJugoslawien 1945/46, die Vertreibung der deutschen Volksgruppen aus Ost- und Südosteuropa am Ende des 2. Weltkrieges, der Zypernkonflikt und schließlich die Vertreibungen während des Krieges in Bosnien und Herzegowina.
Diese Ausstellung ist m. E. ein sorgfältig überlegter Beitrag zur "Erinnerungskultur". Dieser Begriff stammt von Günter Schädel, Professor am Institut für Osteuropa an der Freien Universität in Berlin und von Professor Theodor Kuljic vom Lehrstuhl für Soziologie an der Philosophischen Fakultät in Belgrad. Hier muss man daran erinnern, dass das Wort "Kultur" als "Ausübung", "Pflege" und "Handeln" auszulegen ist, sei es in Wortgruppen wie musikalische oder physische Kultur oder in Wortzusammensetzungen wie Agrikultur (Landwirtschaft).
Sie erfüllt gleichzeitig zwei Erwartungen in Deutschland - einerseits das erwachte Interesse der Jungen am 2. Weltkrieg und dessen Folgen und andererseits die Hoffnung der Flüchtlinge und Vertriebenen am Ende ihres Lebensweges, dass die erlittenen Verluste und überstandenen Qualen, die mehr als 6 Jahrzehnte lang verschwiegen wurden, eines Tages zum Thema der kollektiven Erinnerung werden, u.zw. nicht aus Gründen des Revanchismus sondern wegen der unbedingten Notwendigkeit, den Trauernden nicht das Trauern übel zu nehmen und die historischen, kulturellen, politischen, wissenschaftlichen und religiösen Wurzeln von mehr als 12 Millionen Deutschen zum Bestandteil des kollektiven Bewusstseins aller Deutschen werden zu lassen.
Bei all dem vertreten die Autoren und Sponsoren der Ausstellung die Ansicht, das die deutschen inzwischen begriffen haben - wenn von eigener Schuld gesprochen wird - sich zum eigenen Volkstum zu bekennen und die Einsicht der eigenen Schuld im blutigen 20. Jhr.,Teil ihrer Identität werden zu lassen, so dass sie nicht mehr der Gefahr ausgesetzt sind, dem Nationalismus zu verfallen, wenn sie sich an die eigenen Opfer erinnern. Das 20. Jhr. ist im übrigens ein schwarzer Fleck in der Geschichte aller europäischen Nationen. Dabei ist der Teil der Geschichte ein Mosaik ohne 2 gleiche Würtelchen, weil die Auslegung z. B. der Geschichte des 2. Weltkrieges und seiner Folgen jeweils national ausgerichtet ist, so dass jeder Staat seine eigene Erinnerungskultur pflegt. So habe ich beim Lesen des sprichwörtlich zuverlässigen Schweizer Blattes "Neue Züricher Zeitung" in Sachen Berliner Ausstellung erfahren, dass sich die Polen als die größten Opfer des 2. Weltkrieges betrachten. Das hat mich irritiert, weil wir ehemaligen Jugoslawen uns noch bis gestern für die größten Opfer dieses Krieges hielten. Seitdem bin ich bedingungslos dafür, einen Dialog mit jedem ehemaligen und gegenwärtigen "Feind" darüber zu führen, wie man das jeweils eigene "nationale" Erlebnis rationalisieren kann, d.h. ich bin gegen jeden Boykott. Diese Ausstellung ist auf ihre Art ein vorzüglicher Anlass zum Dialog und keineswegs zum Schmollen. Ubrigens ist es inzwischen einem guten Teil der Öffentlichkeit, vor allem in der EU, klar geworden, dass ohne Dialog keine übereinstimmende Beurteilung nicht nur der Gegenwart und Zukunft sondern auch - was sehr gefährlich sein kann - der Vergangenheit möglich ist. Gleichzeitig ist eine Übereinstimmung je nach Natur der Sache ohne Dialog nicht möglich.
So gesehen, überrascht mich die Reaktion eines Teiles der deutschen und polnischen politischen Elite darüber, dass das Zentrum gegen Pogrome - eine Abteilung des Bundes der Vertriebenen (im Laute und nach dem Kriege aus Ost- und Südosteuropa) - am 1O.8.d.J. die Ausstellung unter obiger Betitelung eröffnet hat. Dieses Unbehagen kommt aus der Überzeugung, dass Deutschland die Pogrome des Dritten Reiches im Jahre 1933 zu relativieren wünscht. Gleichzeitig tröstet mich die Feststellung des Journalisten vom erwähnten Schweizer Blatt ‚dass die Fürsprecher des Boykotts in Polen keineswegs junge Polen sondern deren Väter und Großväter sind.
Jedenfalls war gerade der Anteil Nazi-Deutschlands an dieser Art von Gewalt von 1933 -45 "löwenhaft". Dabei darf man aber nicht außer Acht lassen, dass das Dritte Reich seine Gewaltmaßnahmen auch an deutschen Bürgern praktizierte.
Großes Ausmaß solcher Gewaltakte zeigte die Zwangsumsiedlung der direkten und indirekten deutschen Opfer des Hitler-Stalin-Nichtangriff spaktes 1939 aus ihren Jahrhunderte alten Siedlungsgebieten wie Baltikum, Wolynien, Galizien, Bukowina, Bessarabien und Dobrudscha. So sind z. B. Deutsche aus der Dobrudscha 1939 auf der Donau bis Semlin verschifft worden, um als Grenzbewohner aus dem Semliner Lager mit der Bahn weiter ins nördliche Preußen transportiert zu werden. Das war nur eine vertuschte Zwangsmaßnahme, denn wer geht schon für immer freiwillig (vor allem bei einer bäuerlichen Bevölkerung) singend vom in Jahrhunderten mit schwerer Arbeit erworbenen Hof (und Haus) ans andere Ende der Welt nur mit den nötigsten Utensilien, die in einen Koffer passen.
Nicht besser erging es den sog.Gottscheern, d.h. deutschstämmigen Bürgern im Königreich Jugoslawien, deren Ahnen als Knechte der gräflichen Familie Ortemberg schon im 14. Jhr. angesiedelt wurden. Diese sind zwangsweise in die Untersteiermark und nach Kärnten verlagert worden, weil Gottschee im Rahmen der Aufteilung des besetzten Jugoslawiens an das faschistische Italien fiel.
Mit einem Wort, ich sehe nicht ein, warum die Deutschen nicht im Rahmen einer Ausstellung auch die eigenen Opfer der Zwangsvertreibungen aus der angestammten Heimat zeigen sollten. Ich glaube, dass jedes Volk das Recht hat, an die selbst erlittenen Qualen zu erinnern.
Wenn auch Japan nicht bereit war, die Waffen niederzulegen, hat niemand das Recht, den Japanern die institutionalisierte Erinnerung an Hiroschima und Nagasaki übel zu nehmen. Die Bemerkung der Kritiker, wonach die Golgotha der deutschen Vertriebenen den ersten und wichtigsten Platz der Ausstellung einnimmt
ist ein routinemäßiges Spiegelbild der Tatsache, dass das 13 Jahre währende Nazi -Deutschland hinsichtlich des Umfangs der begangenen Verbrechen einzigartig und mit niemand und nichts zu vergleichen ist.
Aber das Thema dieser Ausstellung ist nicht die Darstellung aller in Europa des 20. Jhr. begangenen Verbrechen, sondern die Leiden der Flüchtlinge und Vertriebenen seit der Tragödie der Armenier 191 5-16 bis zur Vertreibung der Serben aus Kroatien oder der Muslime aus Srebrenica, denen diese Opfer ausgesetzt waren. Es geht um Vertriebenenschicksale in ganz Europa. Ferner wird das Thema der anschließenden Beraubung des Menschenrechts auf seine Heimat beleuchtet, unabhängig davon, wer sich selbst das Recht einräumt, solch ein Verbrechen zu begehen. Hatte denn Tito-Jugoslawiem das Recht, die deutscherseits praktizierten Vertreibungen der Juden aus ihren Häusern zu verurteilen und dabei 24000 Kinder donauschwäbischer Herkunft nur aus dem Banat - vom Neugeborenen bis zum 1 4-jährigen - aus den Elternhäusern in Lager zu stecken, um sie auf Kriegswaisenhäuser von Marburg (Maribor) bis Djevdjelija zu verteilen?
Ich persönlich glaube nicht daran, aber es hat sich die Routine eingeschlichen, dass nur die Deutschen für alle Verbrechen verantwortlich sind, überall und nicht nur bei uns. Die Routine ist deshalb allgegenwärtig, weil die anderen Teilnehmer am 2. Weltkrieg - auch nicht nur bei uns - die eigenen Verbrechen als selbstverständliche Racheakte betrachten.
Der Autor ist Universitätsprofessor und Vizepräsident der Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit.
Übersetzung aus dem Serbischen ins Deutsche: Herbert Heintz, Rüsselsheim, vormals Neusatz/Werbass
Der Übersetzer entspricht damit dem Wunsch der donauschwäbischen Medien
(Presse) in der Absicht, dass dieser Artikel des Autors mit einer
äusserst objektiven Beurteilung der Ereignisse im und nach dem 2.
Weltkrieg unseren Lesern vermittelt wird.
Heinrich Stephan
Stevic Jovica E I N L A D U N G ZUR EINWEIHUNG DES GEDENKKREUZES IN MITROWITZ IN DER VOJVODINA
auf dem katholischen Friedhof in Sremska Mitrovica/Mirtowitz
am Samstag, dem 20. September 2008 um 10.30 Uhr
Die Gedenkstätte in Sremska Mitrovica/Mitrowitz
kurz vor der Fertigstellung
Eine erfreuliche Mitteilung vom 13. August
von Jovica Stevic aus Sremska Mitrovica,
übersetzt aus dem Serbischen von Otto Tschepella
Liebe Freunde, liebe Donauschwaben!
Am Montag, dem 12. August 2008, wurde ein Denkmal-Kreuz auf dem katholischen Friedhof in Sremska Mitrovica für die im Lager Svilara (Seidenspinnerei) von 1945 bis 1947 umgekommene Donauschwaben errichtet. Das Kreuz steht als das zentrale und Hauptdenkmal für alle in Srem (Syrmien) von 1944 bis 1948 umgekommenen Donauschwaben. Für die Geschichte der Donauschwaben sowie der in Mitrowitz umgekommenen Schwaben ist dies ein bedeutendes und wichtiges Datum, erwartet seit über sechzig Jahren.
Das imposante, große Denkmal steht dominant auf dem Friedhof. Die Ausführung ist ausgezeichnet gelungen und entspricht vollständig der Vorgabe und dem Plan. Von der Straße aus gesehen zeigt das Foto Nr. 3 das großartige Aussehen des Denkmal-Kreuzes. Am Samstag und Sonntag folgt die Übertragung des Textes in die Tafeln des Denkmals. Montag, Dienstag oder Mittwoch (20. August 2008) werden dann die Tafeln am Denkmal angebracht.
Davor wird noch ein Betonfundament unter dem Denkmalsockel vorbereitet. Dann werden die Platten links und rechts neben dem Kreuz im Boden befestigt. Zu erledigen ist noch das Auffüllen mit Erde rund um das Denkmal sowie die Errichtung eines Zugangs.
Hier nochmals die Wichtigsten Daten
zur Einweihung der Gedenkstätte am
20. September 2008:
Der Beginn der feierlichen Einweihung ist
um 10.30 Uhr.
Anschließend werden an den Plätzen des
Ortes, dort wo die Toten beerdigt wurden Kränze niedergelegt.
Um etwa 14.00 Uhr ist ein gemeinsames
Mittagessen vorgesehen.
Wir bitte alle Landsleute und Freunde, die
an den Feierlichkeiten und dem Mittagessen
teilnehmen werden, sich schnellstens
schriftlich, per Fax oder per E-Mail an die
nachfolgende Kontakt- und Informationsadresse zu wenden:
Landsmannschaft der Donauschwaben
Postfach 1136, 76338 Eggenstein
Frau Waltraud Dinges
Telefon/Fax: 0721-705652
E-Mail: dinges-gafert@t-online.de
Rechts und links vom Kreuz fehlen noch die Texttafeln.
Die Fläche vor dem Kreuz ist mit Platten ausgelegt
Wie man sieht, steht das Kreuz ziemlich frei im Gelände
Das Kreuz ist von der Strasse aus gesehen schon aus der
Weite zu sehen
Lagerorte in der Vojvodina
In der Zeit vom Herbst 1944 bis Frühjahr
1948 bestanden im damaligen Jugoslawien
unzählige Lager für Zivilisten deutscher Nationalität,
die Bürger der Vojvodina waren.
Die größten Lager befanden sich in:
Knicanin/Rudolfsgnad
Gakovo/Gakowa
Backi Jarak/Jarek
Kruševlje/Kruschiwl
Sremska Mitrovica/Mitrowitz
Molin/Molidorf
Insgesamt sind in diesen Lagern bis zu ihrer
Auflösung im Frühjahr 1948 rund 24.000 namentlich
erfasste, überwiegend Kinder, Mütter
und Greise an Hunger, Kälte, Krankheiten
und Altersschwäche verstorben,
deren letzte Ruhestätte Massengräber waren.
Die nun nach und nach an diesen Sterbeorten
errichteten Gedenkkreuze sind ein sichtbares
Zeichen des ehrfürchtigen Gedenkens
an unsere Verstorbenen, die selbst und auch
ihre Vorfahren friedlich mit ihren Nachbarn
gelebt Haben. Sie liebten ihre Heimat über
alles und nichts lag ihnen ferner als der
todbringende Krieg mit all seinen
schrecklichen Folgen.
PROGRAMM
Am Vormittag 20.September 2008
Beginn 10.30 Uhr, katholischer
Friedhof Sremska Mitrovica/ Mitrowitz.
Treffpunkt 10.00 Uhr beim
Friedhof
Choral (Instrumentalgruppe)
Lied Chor
Begrüßung Jovica Stevic
Grußworte: Vertreter der Regierung, Vertreter
der Stadt Mitrovica, Vertreter der
Konsulate Deutschlands und Österreichs
Lied Chor
Weihehandlung ( Gebete, Fürbitten,
Segnung)
Worte des
Gedenkens: Hans Supritz, Bundesvorsitzender
der Landsmannschaft der
Donauschwaben in Deutschland
Josef Jerger, Präsident des Weltdachverbandes
der Donauschwaben
Kranzniederlegung (Instrumentalgruppe)
Lied Chor
Gemeinsames Mittagessen in Mitrovica
Am Nachmittag: Wird vor Ort bekannt gegeben.
Der in serbisch und deutsch gehaltene Text auf den Gedenktafeln lautet:
Die Donauschwaben bedanken sich bei der
Gemeinde Sremska Mitrovica und seiner
Bürger, für die immer freundliche Aufnahme
und gute Zusammenarbeit während der Planung
und Errichtung der Gedenkstätte.
Träger und verantwortlich für das Projekt
sind, der Bundesverband der Landsmannschaft
der Donauschwaben in Deutschland
e.V., der Weltdachverband der Donauschwaben
und die kommunale Bauverwaltung
der Stadt Sremska Mitrovica.
Die Finanzierung wurde ermöglicht durch die
weltweiten Spenden der Donauschwaben.
"DIESES GEDENKKREUZ ERINNERT
AN UNSERE DONAUSCHWÄBISCHEN
MITBÜRGER,
DIE IM INTERNIERUNGS- UND ARBEITSLAGER
"SVILARA"
IN SREMSKA MITROVICA UMS LEBEN
GEKOMMEN SIND
UND HIER AN VERSCHIEDENEN
PLÄTZEN DES ORTES
IHRE LETZTE RUHE FANDEN.
SIE MÖGEN RUHEN IN FRIEDEN,
WIR WERDEN SIE NIE VERGESSEN!
DAS LAGER "SVILARA" BESTAND VON
AUGUST 1945 BIS MAI 1947
Die Donauschwaben im Jahre 2008"
Anmerkung:
Der Gedenktafeltext wurde von der Landsmannschaft der Donauschwaben verfasst.
Heinrich Stephan
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